We Go On

Mein treuer Begleiter

von Leimbacher-Mario
Diesseits, Jenseits, Anderseits - eigentlich will man seine Verbindung zu der Welt nach dem Tod, sollte es denn eine geben, so weit wie möglich herauszögern. Zu sehr sind unsere Ängste, Befürchtungen & das Ungewisse mit dem Himmel, der Hölle oder dem Nichtsichtbaren verbunden. Neugier bewohnt jedoch, denke ich mal, fast jeden von uns. Diese plus eigene Ängste veranlassen den Protagonisten von "We Go On" dazu, ein mit 30.000$ dotiertes Ausschreiben zu starten: Wer ihm ohne Restzweifel beweisen kann, dass es da noch was nach dem Tod gibt, bekommt das Geld sofort. Nicht allzu lange lassen die Antworten auf sich warten, manche gruselig, manche realistisch, doch die meisten schlicht bescheuerte Fakes. Trotzdem gibt sich unser todesmutiger Held (oder eigentlich das Gegenteil) auf die Spuren des Ausserweltlichen & kommt damit der Totenwelt näher, als ihm vielleicht lieb war...

"We Go On" ist von den Machern der "YellowBrickRoad", einem vollkommen misslungenen Blair-Witch-Dupe. Und die Jungs haben sich hiermit mehr als gesteigert, die besondere Suche nach dem Tod ist ein guter Film. Ein sehr emotionaler Grusler, mit schaurigen, aber vielschichtigen Geistern & einer nahe gehenden Backstory. Manchmal schleift der Film etwas ziellos umher, fast wie seine Geister, doch insgesamt sprach mich der intime, eher dramatische als horrorhafte Ansatz an. Ohne wirkliche Jump Scares oder total ekelige Geister wird hier eher subtil, realistisch (so weit man das bei diesem Thema sagen kann) & unterbewusst Schauer ausgelöst & auch das Nachdenken angeregt, über die eigenen Ansichten über den Tod oder sein Leben. Oder dem danach. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, gerade wegen der vielen Betrüger, & der Mix wird hier insgesamt ganz gut getroffen.

Teilweise kann er etwas langatmig wirken, trotz kurzer Laufzeit, und er ist alles andere als deine klassische Ghoststory - doch gerade dies macht ihn stark. Zu bemängeln habe ich noch den teilweise wie ein Riesenbaby wirkenden Hauptdarsteller & die letzten Minuten, in denen das Tempo unpassend zum Rest scharf angezogen wird & sich die Geschehnisse zu schnell überschlagen. Dinge wie nette Kamera-/Geist-im-Hintergrund-Tricks oder die etwas andere Musikuntermalung sind hingegen exzellent. Vielleicht hätte man ihn auf dem Fantasy Filmfest nicht auf dem 23:00 Uhr-Slot laufen lassen sollen, denn dazu ist er dann doch eine ganze Ecke zu ruhig, einschläfernd & persönlich.

Fazit: sehr emotionaler & gar nicht mal so unrealistisch erscheinender Ansatz über Geister, den Tod & unsere Verbindung zu ihm. Nicht der ganz große Wurf, aber trotz seiner Ruhe nachhaltig nachdenklich stimmend.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

11.09.2016, 02:59



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