von Fans für Fans

I Had a Bloody Good Time at House Harker

The "Karate Kid" of Baton Twirling Films

von D.S.
Ich hatte eine mittelmäßige Zeit im Haus Harker: Zwar wirkt die Indie-as-Fuck-Produktion definitiv grundsympathisch und hat ein paar wirklich originelle Ideen und gelungene Gags zu bieten. Allerdings auch mindestens genauso viele, die man bestenfalls bemüht nennen kann. Klamaukiger Humor, der nicht zündet, wirkt aber schnell mal peinlich. Und genau das ist HOUSE HARKER dann leider stellenweise auch, insbesondere im ersten Drittel. Nach der zugegebenermaßen überraschenden Eröffnung konzentriert sich der Film nämlich zunächst ausschließlich auf die Etablierung seiner Charaktere, die nicht nur allesamt recht unsympathisch herüberkommen, sondern auch plump überzeichnet sind. Der Möchtegern-Filmstar mit der Ausstrahlung eines Allzweckreinigers, der zurückgebliebene Freak, der mit seinem Bleistift spricht, der verzweifelt verliebte Loser, der mit der Motorsäge hässliche Holzfiguren schnitzt – das kann man lustig finden, muss man aber nicht.

Neben der mäßigen Quote an guten Gags und den halbgaren Darstellerleistungen entwickelt der Film im weiteren Verlauf, als die Story um das Auftauchen eines echten Vampirs bei den Nachkommen der legendären Harker-Familie endlich ein paar Gänge zulegt und auch einige Action-Höhepunkte mitbringt, noch ein ganz anderes Problem: Er nimmt sich an mehreren Stellen, gänzlich unpassend, selbst zu ernst und versucht dann auf einmal, Mitgefühl für seine albernen Figuren zu wecken, also echtes Drama aufzubauen. Seltsame Entscheidung, falsche Entscheidung. Wenn schon, denn schon Genre-Lachfest ohne Rücksicht auf Verluste, alles andere wirkt halbherzig und, naja, ebenfalls peinlich. Subtilität oder gar Intelligenz darf man hier nämlich gleich gar nicht erwarten.

Ein paar seiner Witze sieht man zudem meilenweit im Voraus kommen – ein paar sehr erwartbare vermeidet er allerdings elegant, das muss man ihm zugute halten. Und man darf auch nicht verschweigen, dass ein paar echte Humor-Volltreffer dabei sind, die sich vor allem um das effiziente Töten von Vampiren sowie um Einsatz und Wirkung von Kreuzen drehen.

Die Referenzen, Hommagen und Parodien auf Genre-Themen wie DER EXORZIST und TWILIGHT fand ich persönlich zwar nicht innovativ, aber passabel umgesetzt; Schnitt, Maske und vor allem der Soundtrack gehen sehr in Ordnung. Kamera und Setdesign lassen dagegen zu wünschen übrig, und über den mehrfachen Splitscreen-Einsatz breite ich lieber den Mantel des Schweigens.

Mehr Budget und eine sorgfältiger ausgearbeitete Story hätten dem Streifen definitiv gut getan. Der Humor ist eben Geschmackssache – wirklich lustig fand ich HOUSE HARKER nur manchmal, ich habe aber auch schon deutlich seltener gelacht. Insgesamt 5,5 Punkte, denn zumindest partiell kann die spürbare Leidenschaft der Macher durchaus mitreißen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Zügel – so wie im Finale – öfter mal schleifen gelassen worden wären. Für einen Film mit diesem Titel bleibt das Ganze hier nämlich insgesamt erstaunlich brav.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

11.09.2016, 03:12



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