crazy

We Go On

Die Indie-Filmperle des Jahres!

von Alexander
Leider lief diese kleine Perle des 2016er-Filmfests auf dem mir so verhassten „Nachtslot“, sonst hätte der Genuss, vielleicht an einem gut ausgeruhten lauschigen Sonntagnachmittag erfahren, noch erlebnisvoller ausfallen können, als er es ohnehin schon für mich tat.

Ja, das war es mal wieder für mich, das war ganz große Klasse. Ein liebevoll zusammengebastelter Indie-Film-David, der in keiner seiner viel zu kurzen und dabei wunderbaren 89 Film-Minuten versucht, ein vermeintlicher Goliath zu sein, sondern einfach nur mit seiner wirklich NEUEN Idee, unverbrauchten und unbekannten (dabei aber höchst motivierten) Darstellern den sensiblen Filmfan zu überraschen und zu verwöhnen weiß.

Haben wir nicht alle Angst vor dem Tod? Ich meine, wenigstens so ein ganz kleines bisschen? Kommt, gebt es schon zu, ihr atheistischen Idioten, denn jeder weiß, dass es so ist. So geht es auch Miles Grissom , der die nicht unbedeutende Summe von leichtfertig versprochenen $ 30.000,- denjenigen verspricht, die ihm Beweise für eine Existenz nach seinem Tod schaffen können, was selbstredend nach kürzester Zeit eine wahrhaft groteskte Menagerie skurriler Gestalten und angehender Psychopathen anzieht, so wie eine grelle Lampe die Motten bei Nacht.

Mit jeder neuen Gestalt, die auf der Bühne dieses Indie-Meisterwerks aufschlägt, verdichten sich sowohl Spannung als auch die möglichen Konstrukte im Geiste des miträtselnden Mystery-Fans, der mit diesem Beitrag auf dem diesjährigen FFF die volle Dröhnung zweideutiger Mystery-Strahlung auf die Augen bekam.

Das verdient nicht nur angesichts der plakativen und actionlastigen, eindimensionalen und ideenarmen Massenware, der die geneigten Horrorfans dieser Tage ausgesetzt sind, mehr als nur angemessenen Lobes.

Die Geschichte schlägt einen Haken nach dem anderen, unterhält mit immer neuen skurrilen Gestalten, grotesken Dialogen und grausamen Einfällen auf das Allerbeste.

Dieser Film wirkt auf den von generisch konstruierten Kommerzprodukten gelangweilten Filmfreak wie ein alkoholischer Coktail in der heißen Sonne. Nach kürzester Zeit ist man bereit, jede noch so verrückte Gemeinheit als ultimative Wahrheit zu akzeptieren und folgt der Geschichte wie ein verlorener Pfadfinder seinem Kompass in einem finsteren Wald, ohne den Irrsinn von „We Go On“ dabei jemals hinterfragen zu wollen.

Ich war bereits vom auf dem FFF in 2010 gezeigten Vorgänger der Regisseure, vom skurrilen „YelowBrickRoad“, ein ganz großer Fan, und einmal wieder schafften es Jesse Holland und Andy Mitton, voll in mein filmisches Herz zu treffen. Wahnsinn.
Alexander
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

20.09.2016, 20:54



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