von Fans für Fans

Don't Grow Up

Kein Teenie-Film. Kein Zombie-Film.

von Alexander
Ich wollte diesen Film auslassen. Zu oft zuvor fühlte ich mich gelangweilt von durch die Botanik laufenden Teenagern und ihren zur Schau getragenen Ängsten und Wünschen, die ich in meinem vorgerückten Alter vielleicht nicht mehr immer nachfühlen kann, und die mir auch mit der Zugabe eines „Zombie“-Horrors erst mal weniger spannend vorkamen.

Aber bereits in dem meiner Meinung extrem gut gemachten „Trailer“ des Films, der glücklicherweise einmal nicht die gesamte Geschichte in 30 Sekunden nacherzählen wollte, konnte man die hervorragende Kamera-Arbeit und dichte Atmosphäre dieses Gruselstücks erahnen und „Don’t Grow Up“ hatte mich an diesem Punkt bereits durch seine Bilder am Haken.

So erleben wir „Don’t Grow Up“ wie einen Roadmovie auf den Pfaden junger Menschen in einer grandios schönen und dabei umso bedrohlicheren Welt, die den Zuschauer mit einer fantastischen Atmosphäre zu belohnen weiß, wenn er sich nur auf sie einlässt.

Um daraus aber keinen reinen Naturfilm zu machen, hat Regisseur Thierry Poirraud sich den Kniff ausgedacht, all jene in blutrünstige Monster zu verwandeln, die „erwachsen“ werden. Was auch immer das bedeuten mag…

Also wieder mal nur ein „Zombie“-Film? Nein, überhaupt nicht! „Don’t Grow Up“ setzt von Anfang an seinen Fokus auf das Leben und die Träume einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von gut charakterisierten und gleichzeitig interessanten Teenagern, die ohne Vorwarnung in eine für den Zuschauer seltsam märchenhaft anmutende, kleine Welt geworfen werden, in der sie sich bewegen, als wollten sie sich dort mit ihren Sehnsüchten trotz aller Ungemach niederlassen. Fast wirkt die von allen Menschen verlassene Insel paradiesisch und die für die ganz große Leinwand geschaffenen Bilder faszinieren in all ihrer Pracht genau so mystisch wie bezaubernd, wäre da nicht von Anfang an diese Ahnung einer im Verborgenen hausenden Gefahr.

Was dann aber so richtig den Keil in das Hirn des Betrachters treibt und den an der Tiefe der Geschichte interessierten Zuschauer auch nach Mitternacht wach zu halten vermochte, war der subtil psychologische Aspekt dieses Dramas und die Frage, wann ein junger Mensch „erwachsen“ ist, wenn er das doch offensichtlich nicht sein darf, um die Transformation in ein Unwesen zu umgehen. Bin ich „erwachsen“, wenn ich ein bestimmtes Alter erreicht habe, oder bin ich es bereits, wenn ich mit dem so sehr begehrten und geliebten Partner schlafe? …

Ein Aspekt des Films, der mich wirklich umgehauen hat und der in all den anderen Reviews vollkommen außer Acht gelassen, vom Regisseur aber mehr als nur akzentuiert wurde.

Dabei ist der Grund der Seuche und der offensiven Plage der „Untoten“ vollkommen nebensächlich. Die Dramatik liegt in dem Übel, diesem Schicksal nicht ohne Verzicht auf das Naheliegende in einer leeren und ansonsten toten Welt entgehen zu können und vielleicht auch nicht zu wollen.

Einmal mehr ein zumindest in Frankfurt leider auf dem späten Mitternachts-Slot „versteckter“, eher ruhiger Film, der seine Wirkung einem frischeren Publikum früh am Tag bestimmt eher hätte entfalten können. Für mich einer der unterbewertetsten und gleichzeitig besten Filme des Jahres.
Alexander
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

20.09.2016, 22:19



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