von Fans für Fans

Bronson

Penisverlängerung mit Aggressionspotenzial

von Leimbacher-Mario
"Bronson" war ein Scheidewerk. Tom Hardy schleuderte sich damit heftig in Richtung anspruchsvollerem Starruhm, Nicolas Winding Refn skizzierte weiter seinen Wellen schlagenden Stil, der um die Welt gehen & etliche Nachahmer finden sollte. Irgendwo zwischen "Only God Forgives"-Hochglanz & "Pusher"-Grobheit, tänzelt "Bronson" als Semi-Biopic des Lebens des berühmt-berüchtigtsten Häftlings des UK. Man kann dem Film Stilisierung & Verherrlichung von Gewalt vorwerfen, wie fast allen NWR-Werken. Auch inhaltliche Leere oder Style over Substance sind immer wieder gerne benutzte Kritikersalven. Außer Hardy nicht viel gewesen. Laber Rhabarber. Doch mich hat der Film enorm unterhalten. Weggeblasen. Die Kombi aus hingebungsvollem Schauspiel & einem pochenden, Funken sprühenden Stil war selten so hypnotisch. Und das bei einer Art Biographie, dem sonst trockensten Genre überhaupt. Muss man erstmal so hinbekommen!

Zugeben: der Film ist etwas one-note, reitet redundant auf der Aggressivität des "Titelhelden" herum & so richtig nähergekommen sind wir ihm nach den stylischen 90 Minuten voller Prügel, Blut & Butterpos nicht. Doch dass es eine faszinierend harte Neon-Show mit Sogwirkung & Sprengkraft ist, dagegen kann man wenig sagen. Der Film hat eine Wucht, eine archaische Schönheit & ein leuchtendes Chaos, da kann man schon mal von umgehauen werden. Passend zum porträtierten Charakter, über dessen Wert für Popkultur, Gesellschaft & Filmwelt man unwiderstehlich streiten kann. Ein polarisierender Film - damals noch aufsehenerregend für Refn, heute schon fast normal.

Refns rot-raue Bilder dieser Naturgewalt sind Kunstwerke in sich & der Film ist viel mehr ein Statement als eine Story. Zur Gewalt, zu Gefängnissen, zur menschlichen Natur & einer Gesellschaft, die so ein Tier von einem Mann zum Teil feiert. Eine schockierende & faszinierende Person, doch meiner Meinung nach keine, die man feiern sollte. Den Film allerdings schon. Denn er feiert diese brutale Maschine nicht ausschließlich & lässt uns genug Spielraum zum Streiten, Argumentieren & Fasziniert-Sein. Und wer immer noch hadert, dem arschtretenden Film eine Chance zu geben: allein Tom Hardy, der sich leibhaftig & seelisch auszieht, ist das Eintrittsgeld wert. Wer nach dieser Tour de Force dieses hingebungsvollen Muskelpakets noch an seinen (hier sichtbaren!) Eiern zweifelt, sein Talent oder künstlerische Hingabe in Frage stellt, dem hat diese Faust von Film wohl einmal zu oft gegen den Kopf gehauen.

Fazit: brutal geile Two-Man-Show! Hardy & Refn brillieren, provozieren & massakrieren. Sonstige Biopics oder Ähnliches können dagegen nur blutleer & blass erscheinen. Ein Schlag ins Gesicht, wie man es nur mögen kann!
Leimbacher-Mario

08.01.2017, 01:40



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