von Fans für Fans

The Transfiguration

The Lost Boy

von Leimbacher-Mario
"The Transfiguration" schiebt sich schnell selbst in eine qualitativ hochwertige & tolle Schublade - direkt neben "Martin", "The Lost Boys" oder "Let The Right One In". Dass er vielleicht nicht ganz das Niveau seiner hochgegriffenen & zu recht verehrten Vorbilder erreicht, kreide ich ihm gar nicht so dick an. Denn die behutsame & extrem ruhig erzählte Geschichte eines schwarzen Teenager-Jungen, der im Ghetto immer wieder Leute aussaugt & seine erste kleine Liebe findet, ist, auch ohne ein direktes Meisterwerk zu sein, ein verdammt sehenswerter Film. Für Vampirfans in jedem Fall, doch den Rest eigentlich auch. Es sei denn man ist zu müde & mag sehr intime & unaufgeregte, fast schon höhepunktarme Geschichten gar nicht. Emotional & untergründig ist "The Transfiguration" definitiv ein Highlight des jüngeren Vampirfilms & ein Gourmet-Highlight des diesjährigen Fantasy Filmfest. Ruhig Blut...

Vielleicht ist dieses naturalistische Coming-Of-Age-Drama der realistischste Vampirfilm aller Zeiten - was den genau darauf erpichten Protagonisten Milo sicher freuen wird & den Film vielleicht doch zu einem kleinen Beisszahn-Klassiker machen könnte. Wir werden sehen. Der Hauptdarsteller spielt den Jungvampir gefühlskalt & trotzdem sympathisch genug, er ist ein sehr bedauernswertes & besonderes Monster. Und ein vielversprechender junger Schauspieler. Und allein der Gedanke & klare Unterton, dass sein Vampirdasein gar nicht so sicher ist, lässt einen schaudern. Dieser Beigeschmack lässt mich ehrlich gesagt nicht mehr los & lässt den Film unangenehm nachwirken. Eine verlorene Seele, ein Drifter mit Blutdurst, hineingeschliddert in eine Blutsaugerkultur, die sich schwer aushalten lässt & der man kaum entkommen kann. Fast schon poetisch. Traurig. Ein sozialer Tiefschlag, selbst wenn dieser in Zeitlupe kommt & dem Film ein paar blutige Höhepunkte mehr oder stilistische Kniffs gut getan hätten. Doch allein die vielen VHS-Huldigungen großer Klassiker des Vampirfilms ließen mich so manch eine Länge überstehen. Mit etwas Geduld kommt man auf seine Kosten & erlebt einen Vampirfilm wie noch nie. Dringt tiefer als es jeder Schneidezahn könnte...

Fazit: einer der intimsten & kleinsten & realistischsten "Vampir"-Filme überhaupt... sehr gefühlvoll, verlassen & ruhig. Mit Geduld & Empathie für den kleinen Blutsauger vergisst man sein Schicksal so schnell nicht.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

16.01.2017, 02:13



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