von Fans für Fans

The Transfiguration

Erwachsenes Jugenddrama

von D.S.
Einerseits ist der still, melancholisch und teils sehr nüchtern daherkommende THE TRANSFIGURATION eine Art Meta-Vampirfilm, da hier alle möglichen großen und nicht ganz so großen Genrevertreter von seinen Protagonisten erwähnt (und teils sogar ausschnittweise gezeigt) werden oder zumindest in Form ihres Titels auf händisch beschrifteten VHS-Etiketten Einzug in den Film halten. Andererseits hat er absolut nichts mit den aufgeführten Hollywood-Vampirsagen wie THE LOST BOYS, NEAR DARK oder gar FRIGHT NIGHT gemein – und auch mit dem mehrfach als Referenz herangezogenen LET THE RIGHT ONE IN hat er nur eine kleine inhaltliche Gemeinsamkeit, insofern als bei beiden Filmen die aufkeimende, komplizierte Liebe zwischen zwei jugendlichen Außenseitern eine Rolle für die Handlung spielt.

THE TRANSFIGURATION ist aber viel weniger Genrekino, viel weniger Saga über das Übersinnliche als ernstes, mitunter wirklich nahegehendes Jugend-, Sozial-, Ghettodrama, das zum größten Teil von Selbstverortung und Selbstwertgefühl beschädigter Charaktere handelt; von Depression, vom Leiden am Leben und dem Gefühl vollkommener Einsamkeit. Die Verortung von Vampirismus in der strikt realen Welt; das Phänomen als Chiffre für einen psychischen Zustand; Coming-of-Age in einer als feindlich wahrgenommenen Umgebung – der einzige treffende filmische Vergleich ist wohl tatsächlich der von Herr_Kees bereits genannte, im Film selbst als leuchtendes Beispiel für einen „realistischen“ Vampirfilm gefeierte MARTIN von Romero, als dessen modernisiertes Remake THE TRANSFIGURATION in weiten Teilen gesehen werden könnte.

Zwar gelingt es dem Film nicht, seine erzählerische Spannung über die gesamte Laufzeit kontinuierlich hoch zu halten. Und wer keinen Sinn für harte Dramen hat, sondern nur auf Blutvergießen aus ist, wird hier ohnehin keine Freude finden. Spätestens das Finale gerät dann aber derart – kitschfrei – ergreifend, dass es eigentlich niemanden kaltlassen kann. Was auch an den hervorragenden Leistungen der jungen Darsteller sowie an dem spürbaren tiefen Verständnis des Drehbuchs für seine Protagonisten, für ihre Gefühle und Entscheidungen liegt.

Oft trist, oft traurig, an ein paar Stellen schmerzhaft brutal: Wenn es THE TRANSFIGURATION zu einem „großen“ Film zwar manchmal auch am richtigen Pacing und zudem an einer Erzählperspektive mangeln mag, die über ein Einzelschicksal hinausgeht, so handelt es sich doch um einen bewegenden, nachdenklich machenden, zwischen den üblichen Partyfilmen des Festivals allemal hängenbleibenden Jugendfilm – der nirgendwo so viel Berechtigung hat wie im FFF-Programm. Gute 7 Punkte von mir.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

22.01.2017, 03:22



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