von Fans für Fans

Don't Grow Up

Transformation

von Frank
Dieses Review schrieb ich direkt nach dem Film letztes Jahr. Hatte es vergessen hochzuladen.

Regisseur Thierry Poiraud nutzt das Stilmittel des Interviews in Form einer Videoaufzeichnung, um die Jugendlichen einzuführen und am Ende zu verabschieden, womit er dem Film einen eigenen stilistischen Rahmen gibt und diesem, von mir eigentlich nicht so gern gesehenen, Mittel zu Eleganz verhilft.

Sechs Jugendliche in einem Heim ohne Erwachsene, ohne Aufsicht. Diese Ausgangsposition ist ein ungewöhnlicher, interessanter Coming-of-Age-Ansatz. Nichtsdestotrotz schien mir das Verhalten der Heranwachsenden zu Beginn zu infantil und irgendwie zu planlos in der Auswahl ihrer Aktivitäten. Klar gibt es solche Gruppen und Verhaltensmuster, doch die Inszenierung und Szenenauswahl machte hier auf mich einen leicht willkürlichen Eindruck. Erschwert wurde der Einstieg auch dadurch ein bisschen, dass nur die Hälfte der Protagonisten sofortige Sympathieträger waren.

Der Film thematisiert die Schwierigkeiten, die mit dem Erwachsenwerden verbunden sind; die Ängste, aber auch die Erinnerungen, die verarbeitet oder neu bewertet werden müssen.
Und nicht zuletzt die Frage, was es denn eigentlich ausmacht, erwachsen zu werden.
Auch die Insel und die Flucht von ihr kann als Symbolik für die widersprüchlichen Empfindungen stehen, die mit Adoleszenz zusammenhängen; Flucht vor dem Erwachsenwerden, Ängste vor Veränderungen. Und der Wechsel von der Insel zum Festland steht genau wie der Übergang vom Kind zum Erwachsenen für Transformation.
Der Film bedient sich einiger Rückblenden zu Kindheitserinnerungen. Sie bleiben jedoch eher Ideenfragmente, als dass sie zu tiefen Charakterisierungen verhelfen.

Die erste Konfrontation der Jugendlichen mit den mutierten Erwachsenen offenbart eine große Stärke dieser Produktion: Seine Kameraarbeit. Wie hier Regie und Kamera die parallelen Ereignisse dieser Szenen festhalten und hervorragend zwischen den Schauplätzen Straße und Laden hin und her geschnitten wird, hat mich angesichts des behäbig-mittelmäßigen Anfangs positiv überrascht. Regie und Kamera arbeiten Hand in Hand. Die Kamera verliert nichts aus den Augen und hat den Zuschauer ebenso fest im Griff wie die Ereignisse auf der Leinwand.
Angesichts des Settings mit Jugendlichen, die gerade der Kindheit entwachsen, enthält der Film einige unerwartet heftige Gewaltausbrüche, die hier mit großer Wucht in den Film eintreten. Ein starker Kontrast.

Kamera und Bildauswahl sorgen im weiteren Verlauf dafür, dass der Film eine intensive Atmosphäre kreiert, die durch den natürlichen Nebel der Kanaren-Wälder sowie die leicht neutrale bis kühle Farbgebung eine Stimmung von dezenter Mystik zwischen Einsamkeit und Aufbruch erzeugt.
Im Kontrast zu den vielen nebligen Szenen zeigt sich leider auch eine technische Schwäche; das Bild ist hin und wieder minimal zu scharf.

Fazit

Ich kann Alexander nur zustimmen: Auch in meinen Augen ist es der verkannteste Film des Jahrgangs 2016.
Wer von DON'T GROW UP einen reinen Zombie Film erwartet, kann eigentlich nur enttäuscht werden. Trotz einiger heftiger Gewaltausbrüche bleibt es ein Film der leisen Töne.
Was der Film in der Charakterzeichnung versäumt oder unzureichend ausarbeitet, macht er mit seiner hervorragenden Kameraarbeit, viel Atmosphäre und subtilen Zwischentönen wieder wett.
Sicherlich hat es zu meinem positiven Gesamteindruck des Films beigetragen, dass die Sympathischsten am längsten durchhalten und zwei von ihnen es bis ins Finale geschafft haben.
Mit FFF und großer Leinwand 6,5 Pkt. Tiefere Charakterisierungen und eine weitere Attack-Szene mit der Intensität der ersten hätten ihn für mich auf 7 Pkt. heben können.
Frank
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

17.05.2017, 19:22



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