von Fans für Fans

Vidar the Vampire

Norwegische Vaginal-Vampire mit Bürstenbärten

von Jimmyjohnjamesmyer
Der folgende Review enthält SPOILER!
Was für eine Freakshow. "Vidar the Vampire" ist eine schwarze Komödie typisch skandinavischer Machart, die mit großartigen Charakteren, völlig absurden Ideen und mitunter fast schon genialen Schnitten glänzt ... und obendrauf kommt ein herrlicher Soundtrack, der gleich in der Einleitung mit einem großartig deprimierendem Trinklied erfreut, dessen Text perfekt zu dem traurigen Helden des Filmes passt.

Der Arme Vidar, muss auf dem Bauernhof seiner Mutter schuften und kriegt einfach keine Frau ab. Irgendwann wird ihm dieses triste Leben mit Playboy-Centerfolds dann dermaßen zu öde, dass er Jesus persönlich um Hilfe bittet. Und seine Gebete werden erhört, denn Vidar wird von einem versnobten Vampir-Jesus mit einer ordentlichen Portion "Body of Christ" erlöst und in ein turbulentes Vampir-Leben gestürzt, das dem eher gemütlichen Vidar dann doch irgendwie zu viel und zu animalisch wird. Der Arme kokelt im Sonnenlicht vor sich hin, wird in Stripclubs rausgeschmissen, wenn er Stripperinnen in den Arsch beißt und lutscht den roten Lebenssaft dann auch noch uninteressierten Damen aus dem Schritt, die auf seine sexy Anbaggerversuche im Winter-Overall einfach nicht anspringen wollen. Dazu stirbt er so oft, dass es ihm irgendwann langweilig wird mit Jesus' Wiederbelebungs-Magie und die ganze Geschichte erzählt er dann noch einem Psychotherapeuten, der immer ungläubiger wird und das ganze als eine Ausgeburt Vidars traumatischer Kindheit analysiert.

Na, da hat er ja noch mal Glück gehabt, der Vidar.

Der Film ist wirklich voll von kreativen Ideen, die auch gern mal etwas grenzüberschreitend sind. Vieles ist einfach nicht vorherzusehen und der Film hat damit eine gewisse Andersartigkeit und Charaktere, die durch den großartigen Einsatz der Musik noch befördert werden. Ob das nun die versoffenen Kneipen-Songs sind oder die exklusiven Hip-Hop Tracks, die die Story des Films nacherzählen. Es macht einfach Spaß... Vampir-Jesus ist auch ein ziemlich großartiger Charakter, der mit Magie-Tricks (die alte Wasser zu Wein Nummer) Frauen anbaggert und seine Stammkundenrabatte im lokalen Puff an Vidar weiterreicht. Die Umschnitte von Prostituierten auf den Psychotherapeuten oder auch von Vidar auf seine Jugend-Person im Liebestaumel sind einfach großartig und der ganze Film strotzt diesbezüglich vor Kreativität, die Lust auf mehr von diesem Filmteam macht. Ideen haben sie... und einen extrem seltsamen Humor auch. Vidar ist jedenfalls ein absoluter Tipp für alle, die es skandinavisch schwarz humorig lieben und mit der politischen Korrektheit nicht so genau nehmen.
Jimmyjohnjamesmyer
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

09.09.2017, 20:42



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