von Fans für Fans

It

Casting Kunststück

von Frank
Wenn ich mich an die Lektüre des Buches zurückerinnere oder Bemerkungen zu Details aus der Originalvorlage von Stephen King lese, stelle ich fest, wie präsent zwar einerseits meine Erinnerungen an schweißgebadete Nächte und furchteinflößende Beschreibungen sind, wie andererseits jedoch nach gut 30 Jahren die Details verloren gingen. Ich erspare mir daher tiefergehende Vergleiche außer der Feststellung, dass die erste TV-Vorlage der Dramaturgie des Buches nicht gerecht wurde und meines Erachtens eine schlechte Umsetzung war und dass gefühlsmäßig diese Neuverfilmung zwar immer noch ein ganzes Stück entfernt von der Wirkung des Buches ist, mit Bill Skarsgård jedoch einen adäquaten Clown gefunden hat. Die Entscheidung für eine Zeitlinie ist sicher ein großer "Eingriff" und aus ökonomischer Sicht nachvollziehbar. Durch diese Begrenzung ist der Film vermutlich leichter zu inszenieren und besser konsumierbar. Möglich aber auch, dass durch die strukturelle Änderung wichtige Zusammenhänge nicht verstanden oder überhaupt bearbeitet werden können.

IT wird wohl der dem Mainstream am meisten zugewandte Film dieses FFF-Jahrgangs sein. Da Coming-of-Age-Filme auf dem Festival 2017 ein zentrales Thema sind und IT sowohl Fantasy, Horror als auch Drama zugleich und darüber hinaus ausgesprochen reich an Humor ist, scheint er als Opener geradezu prädestiniert und war sicher eine gute Wahl. Für mich persönlich braucht es jedoch allgemein als Eröffnungsfilm nicht so eine große (Mainstream-) Produktion.

Wie funktioniert ES nun als Horror-Film?

In meinen Augen nicht gut bzw. nur bedingt. IT baut hier und da ein bisschen gruselige Vorfreude und Atmosphäre auf, zerstört sie dann aber mit Jump Scares und Clown-Gesicht-Fratzen. Oder er kreiert intensive und furchteinflößende Momente (Diashow), scheitert aber daran, diese in einen größeren atmosphärischen Kontext einzubetten. Die Folge ist, dass die Szenen eher fragmentarischen Charakter haben als kontinuierlich ein Spannungsumfeld des Unwohlseins aufzubauen. Was fehlt, sind Tiefe und Sog. Trotz ganz ordentlichen, effektvoll unterstützenden Soundeffekten und einigen scary Schockmomenten, die mich richtig erwischt haben, verwundert es daher nicht, dass das Finale so schwach ist und in einem wenig furchteinflößenden, blödsinnigen Gekloppe endet.

Stattdessen funktioniert IT auf der Drama- und Humor-Ebene seines Coming-of-Age-Grundthemas ganz ausgezeichnet. Was dem Horror-Aspekt an atmosphärisch-gruseliger Tiefe fehlt, findet sich hier umso mehr an emotionaler Tiefe. Grandios gecastet (allen voran und ganz weit vorn, so schnell nicht vergessen und vermutlich mit großer Zukunft im Genre: Sophia Lillis als Beverly Marsh!), konnte ich gar nicht genug davon kriegen, den Jungdarstellern bei ihren Entdeckungstouren, Genecke, Geblödel, den charmanten Unsicherheiten zwischen Mädchen und Jungen oder ihren weniger angenehmen Erfahrungen mit ihren Eltern(teilen) zuzuschauen. Das wirkte auf mich sehr überzeugend gespielt, und ich denke, man muss dem Regisseur Andy Muschietti an dieser Stelle auch eine gute Schauspielführung zusprechen. Nicholas Hamilton, der den bösen Jugendlichen Henry Bowers spielt, sieht aus wie Kevin Bacon in FLATLINERS.

Der Humor ist eine weitere große Stärke. Die "New Kids on the Block" wurden nicht verschont und es gab großes allgemeines Publikumsgelächter in einer weiteren Szene, die ich natürlich hier nicht spoilern werde.

Die Wahl für das 80er-Jahre-Setting sagte mir sehr zu, die Musikauswahl spiegelt jedoch nicht meine persönliche Creme de la Creme der Zeit wider. Die Soundeffekte hingegen sind da wesentlich besser.

Insgesamt ein zweischneidiges Schwert. Als Horror-Verfilmung hält die Umsetzung leider trotz einiger guter Ansätze (wie z. B. die Metamorphosen des Clowns oder die Erkenntnis von Bill im Finale, dass es nicht sein kleiner Bruder Georgie ist, der ihm gegenüber steht) zu sehr an der Präsenz des Clowns fest und lässt die Gefahr letztlich mehr als Bedrohung von außen erscheinen als ursächlich eine von inneren Ängsten. Wenn ich dagegen an Poltergeist denke...
Als Coming-of-Age-Drama hingegen funktioniert IT mit seiner starken Besetzung auf der ganzen Linie, ist voller Esprit und Humor und einfach nur sympathisch.

Nach drei Tagen bin ich doch ein wenig überrascht wie schnell der Film verblasst. Die knappen 7 Punkte gibt es für den Coming-of-Age-Teil und die beeindruckende Performance der jungen Schauspieler.
Frank
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

10.09.2017, 23:52



Weitere Informationen (externe Links):