von Fans für Fans

Sicilian Ghost Story

Kein Spaß

von Dr_Schaedel
Achtung: Wer hier - wie ich - in Unkenntnis der Hintergründe des Films eine gepflegte Geistergeschichte mit Lokalkolorit erwartet, sei gewarnt: Bei SICILIAN GHOST STORY handelt es sich um eine bittere, tragische Geschichte aus der harten Realität des Mafia-regierten Sizilien in den 1990er Jahren, deren Machenschaften vor nichts Halt machten, und eine davon dient als Grundlage für den hier besprochenen Film.

Dass der Film überhaupt auf dem FFF zu sehen ist, liegt daran, dass die Macher es geschafft haben, aus der brutalen Realität eine Art Märchen zu machen, in dem es eine Zwischenwelt gibt, die in all der kaum aussprechlichen Brutalität ein wenig Trost spendet und zumindest mögliche Auswege zeigt. Das ist auch bitter nötig, denn der Film schneidet zunehmend rein wie ein dünner Draht, und besonders die Szenen am Schluss sind schwer zu ertragen.

Das Ganze wird umso schlimmer dadurch, dass man mit den beiden Protagonisten ein so authentisches, unbekümmertes und sympathisches Duo am Beginn der zarten, ersten Liebe einführt, dass alles, was danach kommt, nur noch Wut und Ohnmacht auslöst.

Vielleicht ein bisschen zu spät werden die tatsächlichen Fantasy-Elemente ins Spiel gebracht und vielleicht zu oft Wassertropfen in dunklen Kellerhöhlen und zitterndes Gras bedeutungsschwanger in Szene gesetzt. Aber das stört nur wenig, braucht es doch diese Ästhetik, um dem Zuschauer ein klein wenig Realitätsflucht zu gönnen, damit ihn die eigentlichen Begebenheiten nicht zu sehr überrollen. Zu denen will ich im Einzelnen nicht viel sagen, jeder Satz wäre hier Spoiler.

Zusammenfassend kann man sagen: Ein hartes Thema, sehr poetisch und einfühlsam umgesetzt, mit einem fantastischen Cast und erlesenen Bildern. Nur bedingt ein Gruselfilm und schon gar keine leichte Unterhaltung, aber ich bin dankbar, dass ich ihn im Rahmen des Festivals sehen durfte.
Dr_Schaedel
sah diesen Film im Cinemaxx, München

11.09.2017, 11:09



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