von Fans für Fans

Colossal

Could you be less angry?

von Dr_Schaedel
Ja, doch, ein kleiner Crowdpleaser, kann man sagen, und nach dem verstörenden SICILIAN GHOST STORY eine echte Erlösung.

Dabei ist eigentlich gar nicht so witzig, was da passiert. Wir leiden ja schon mit einer Filmfigur, die nur einen einzigen Menschen auf dem Gewissen hat. Wie mag es jemandem gehen, der gerade Hunderten aus Versehen das Leben genommen und Tausende ihrer Existenz beraubt hat? Am besten gar nicht drüber nachdenken und sich lieber auf den Nahbereich konzentrieren, wo die Konflikte fass- und überschaubar sind.
So geht es Gloria, die feststellen muss, dass das Monster, das gerade Seoul plattgemacht hat, im Grunde sie selbst ist, die aber in einem kleinen Provinzkaff in den USA ihrer Trunksucht und dem frisch begonnenen Singledasein fröhnt. Da es dort immerhin TV und Internet gibt, begreift sie bald die Zusammenhänge und beginnt, mit ihrer besonderen Gabe zu arbeiten. Leider quatscht Gloria im Suff ein bisschen viel...

Ein Monsterfilm der anderen Art („Note the fingers gyrating around the entertainment center.“), zumindest in der ersten Hälfte witzig, mit respektablem Production Value und flotten Dialogen. Und Kampfszenen, gegen die der Boxkampf Regina Halmich vs. Stefan Raab anno 2007 wie eine Partie Federball anmutet.

Natürlich gibt es auch Kritik:
Anne Hathaway ist keine schlechte Besetzung für die Rolle und definitiv eine tolle Schauspielerin, aber so ganz nimmt man ihr die Rolle der Gloria nicht ab. Liegt vielleicht auch ein bisschen an der äußeren Erscheinung (mal ehrlich: Wer sieht nach einer durchzechten Nacht so aufgeräumt aus?).
Und auch die Figur des Oscar, die sich zum Schluss hin nicht gerade zum Besseren entwickelt, entlockt einem zuweilen ein kleines „C'm ooon“.
Da ich auch nach wie vor überzeugt bin, dass es sich bei Oscar um einen im Grunde seines Herzens guten Kerl handelt, hätte ich mir eine kleine Post-Credit-Szene mit ihm gewünscht.
Auch hätte ich mir erspart, die letztlich etwas aufgesetzte Erklärung des Monster-Terrors so ausführlich darzustellen, und lieber ein paar Fragen offengelassen. Und auch, warum in Seoul trotz bekannter Bedrohung pünktlich zur kritischen Uhrzeit die Straßen und Cafés voll mit Menschen sind, leuchtet nicht so ganz ein.

Aber ist ja nicht mein Film, sondern der von Regisseur Nacho Vigalondo (EXTRATERRESTIAL), und der hat ein hübsches B-Filmchen mit Esprit abgeliefert, das über knapp 2 Stunden prächtig unterhält und weder Längen noch größere Ärgernisse aufweist. Nach THE MERMAID die zweite Popcorn-Party in diesem Jahr.
Dr_Schaedel
sah diesen Film im Cinemaxx, München

11.09.2017, 11:56



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