von Fans für Fans

M.F.A.

I spit on your art

von Herr_Kees
Am Anfang sieht es noch so aus, als würde sich der Film ernsthaft für sein Thema interessieren und sich mit den Gefühlen von Vergewaltigungsopfern und mit ihrer Behandlung durch ihr Umfeld auseinandersetzen. Doch leider wird das Drehbuch seinem Thema überhaupt nicht gerecht.

Nach der extrem unangenehmen Vergewaltigungsszene, die zeigt, was passiert, wenn junge Männer zu viele Pornos schauen, ist man moralisch sofort auf Noelles Seite. Diese Sympathie nutzt der Film, um den Zuschauer zum Komplizen ihrer folgenden Taten zu machen – und die Morde zum befriedigenden Befreiungsschlag. Das (und ein paar zu simple Drehbucheinfälle) bringt M.F.A. gefährlich in die Nähe reaktionärer bis trashiger Selbstjustizstreifen wie DEATH WISH. Auch wenn die Taten Noelles nicht ohne Konsequenzen bleiben, überwiegt doch insgesamt das Gefühl erlangter Gerechtigkeit.

Sicher, das Thema bedarf einer anderen aufklärerischen Herangehensweise als es eine der hier kritisierten Awareness-Gruppen leistet. Aber Gewalt war noch nie eine Lösung und sie auf diese Weise zu propagieren (was der Film m. E. durchaus tut), halte ich für problematisch.

Das soll jedoch die Leistung der Hauptdarstellerin nicht schmälern: Francesca Eastwood erinnert mit ihrer düsteren Präsenz an dominante Schauspielkolleginnen wie Asia Argento und Pollyanna McIntosh und spielt unglaublich stark. Man hätte ihr nur einen besseren Film gewünscht.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

13.09.2017, 00:48



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