von Fans für Fans

The Mermaid

Riecht nach Fisch

von D.S.
Bei THE MERMAID handelt es sich um einen Film von Stephen Chow. Und damit wäre wieder einmal mit einem einzigen Satz eigentlich schon alles Nötige gesagt – wer ein Fan seines Oeuvres ist, wird sich hier blendend unterhalten; wer mit seiner Form von Unterhaltung aber bisher schon Probleme hatte, sollte diesen Film meiden wie der Teufel das Weihwasser. Oder aber, ha ha, wie der Fisch das Land.

Dummerweise bin ich als Dauerkartenbesitzer aber blind, ohne Wissen um Chows Urheberschaft in die Vorstellung gegangen. Und vielleicht gibt es ja auch Leser, die noch nie etwas von (oder mit) ihm gesehen haben. Darum die Kurzfassung: Ja, THE MERMAID ist ein Genremix, ein besonders "wilder" aber nicht, denn die hier vorhandenen unterschiedlichen Genres werden eher nach- als nebeneinander dargeboten. Der Schwerpunkt liegt zudem ganz klar auf Comedy, und die kommt im maximal typischen chinesischen Stil daher: laut, grell, krawallig, ab und an auch vulgär. Viel Slapstick. Inspektor Clouseau trifft die Nackte Kanone, nur fünfmal so brachial.

Ab der Hälfte des Films verlagert sich das Schwergewicht vorübergehend in die Gewässer des kitschigen Liebesfilms, im letzten Drittel wird kurzzeitig im Melodram vor Anker gegangen. Und wenn man will, kann man in der ganzen Suppe auch ein paar Spritzer Umweltschutzgedanken wahrnehmen. Muss man aber nicht; Hauptsache, gut gelacht.

Die Story lässt sich dabei im Wesentlichen als Variante des bekannten Sujets "Auftragskillerin verliebt sich in ihr Opfer und verrät darüber ihre Aufgabe" beschreiben – mit einer Figurenzeichnung, die tradierten Rollenklischees durchaus nicht abgeneigt scheint (naives Dummchen verfällt dem selbstbewussten Gentleman; die smarte Businessfrau dagegen ist die eiskalte Bösewichtin. Aber okay, auch der männliche "Held" wird, zumindest zunächst, nicht unbedingt ultimativ vorteilhaft gezeichnet.). Ein bisschen AVATAR-artiges Patronisieren à la "Der gute Weiße – bzw. Gelbe – rettet selbstlos die bedrohten Wilden" findet dann unangenehmerweise auch noch seinen Weg in den Mix.

Ja, klar, das muss man alles nicht so ernst nehmen und kann auch einfach erstaunt, fasziniert, amüsiert sein über den schlichten, stellenweise ordentlich überdrehten Screwball-Klamauk. Ein paar wirklich lustige Szenen gibt es zweifellos – zum Beispiel, als zwei Polizisten versuchen, eine Meerjungfrau zu zeichnen. Aber auch rein oberflächlich betrachtet, hat MERMAID diverse Schwächen, so sitzt das Timing bei vielen Witzen längst nicht so gut wie in Chows Vorgängerfilmen. Und die schrottigen CGI-Effekte wurden ja schon in anderen Reviews mehrfach erwähnt.

Wer ein Herz für Haudrauf-Humor mit ein paar ungewöhnlichen Einfällen und im seltsamen Setting hat, hat hier vermutlich seinen Spaß; das Publikum in Frankfurt zeigte sich insgesamt recht begeistert. Für mich persönlich war das aber nix – außer ziemlich anstrengend. Darum subjektiv nur 3,5/10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

15.09.2017, 02:11



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