von Fans für Fans

Super Dark Times

It's a Mad Mad World

von Frank
SUPER DARK TIMES zeichnet von Beginn an mit wenigen gut ausgewählten Bildern ein präzises Bild von den Tagen Heranwachsender zwischen Entdeckungslust, Daseinsfrust, Hingabe und Widerstand, Verschlossenheit und Verletzlichkeit.
Die vier postpubertierenden Jungs leben in den 90ern nahe einer Kleinstadt und machen, was man eben so macht in dem Alter: Unsinn reden, Verbotenes ausprobieren, ihre Wirkung auf Mädchen testen. Und dann passiert etwas..

Was wurden wir heiß gemacht auf diesen Film mit den verwirrenden DONNIE DARKO-Vergleichen, Aussagen wie "jetzt schon ein Klassiker" usw. Vermutlich wäre ich ohne diese Vorschusslorbeeren nicht einmal auf ihn aufmerksam geworden. Nun, wenn hier schon mit Vergleichen begonnen wurde, fange ich mal damit an:

Schon mit seinen ersten Bildern – Morgendämmerung, Hügel, Fahrräder – sind bzgl. der visuellen Gestaltung und der Atmosphäre zwar Ähnlichkeiten zu DONNIE DARKO offensichtlich, und auch im weiteren Verlauf erinnert er in manchen Situationen und der Auswahl mancher Bilder an jenes Meisterwerk. Dass er als Gesamtes aber weder dessen Qualität und Komplexität erreicht noch seine Atmosphäre und Stimmung trifft, liegt vor allem am Drehbuch, das nicht die Vielschichtigkeit seines Vorbildes aufweist und schlicht eine andere Geschichte erzählt, sowie am unterschiedlichen, weniger poplastigen Soundtrack.

Zum Drehbuch: Bei SUPER DARK TIMES fehlt die Ausprägung einer mysteriösen Ebene. Sie wird vernachlässigt, nur angedeutet und nach einer Traumsequenz nicht weiter vertieft. Sie läuft ins Leere und lässt den Zuschauer mit einem Fragezeichen zurück, allerdings nicht von der Art, die bei DONNIE DARKO zum Rätseln und Grübeln einlädt, sondern eher so, dass man es schnell vergisst und als "war wohl nicht so wichtig" abtut. Die ganze Zeitreise-Komponente fehlt hier ja auch.

Der zweite Schwachpunkt des Drehbuchs (unabhängig von einem Vergleich) ist das für Zach wie für den Zuschauer schwer nachvollziehbare Verhalten von Josh (super gespielt von Charlie Tahan) und die weitere Entwicklung der Beziehung zwischen den Beiden. Hier findet leider eine Entfremdung auf drei Ebenen statt; einmal auf der Konfliktebene des Plots zwischen den beiden Freunden, dann auf der Rezeptionsebene zwischen Josh und dem Zuschauer, für den Joshs Verhalten psychologisch zunehmend schwerer zu begreifen ist. Und letztlich stilistisch-dramaturgisch, wenn die psychologischen Ansätze in physischem Ausdruck versanden und in einem weniger befriedigenden Ende gipfeln. Ich denke, dass an diesen Punkten seitens des Drehbuchs nicht das Beste herausgeholt wurde.

SUPER DARK TIMES weist dennoch zahlreiche Qualitäten auf, so dass mich seine faszinierende, mitunter magische Atmosphäre voll unterschwelliger Spannung sehr vereinnahmt hat. (Wenn auch nicht über die gesamte Laufzeit.)

Der Film hat einem hervorragenden, superb spielenden Jugend-Cast. Wie machen die das bloß immer, solch starke Ensembles junger Schauspieler zusammenzustellen? Z. B. Elizabeth Cappuccino mit ihrer beeindruckenden Ausstrahlung. Es genügen wenige charismatische Bilder von ihr. Für die Jugendlichen, besonders für Josh, hat sie etwas anbetungswürdiges, irgendwo zwischen heißem Jugendtraum und rettendem Engel. Als sehr gelungen sehe ich auch die Darstellung des Mutter-Sohn-Verhältnisses an. Owen Campbell und Amy Hargreaves gaben eine überzeugende Vorstellung. Da gab es sehr viel Subtext, Gesten. Und dann die oben schon erwähnte eindrucksvolle Performance von Charlie Tahan, der seiner Figur mit viel Dynamik und subtilem Gespür mehr und mehr Boshaftigkeit verleiht.

Ben Frost hat dazu einen stimmigen, leicht kühlen, manchmal düsteren Score geschrieben, der die emotionale Verlorenheit der Protagonisten betont. Synthie-Einsatz und Elektro-Stilistik prägen den Sound, soweit ich das erinnere. Es finden sich, glaube ich, aber auch musikalische Elemente aus Ambient und Rock darin. Müsste ich mir nochmal anhören, um das sicher sagen zu können. Mir hat der Soundtrack jedenfalls während des Films gut gefallen. Er kreiert allerdings eine ganz andere Stimmung als der von D.D.

Nach BLADE OF THE IMMORTAL nun schon der zweite Schwertkampffilm dieses Jahr :) und ebenfalls ein stark fotografierter. Der Fokus der Kamera auf kreisförmige Objekte - CD-Spieler, das Loch in der Decke während der Traumsequenz, Fahrradfelge u.a. ist mir auch nicht entgangen. Es scheint plausibel, dieses Stilmittel mit dem Werden und Vergehen in Verbindung zu bringen.

SUPER DARK TIMES ist ein wunderbarer Coming-of-Age-Film geworden mit emotionalem Thrill, viel Atmosphäre, hervorragenden Darstellern, stimmungsvollen Bildern und einem passenden Score. Nur einen zweiten Donnie Darko sollte man nicht erwarten.
Frank
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

17.09.2017, 03:24



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