von Fans für Fans

Vidar the Vampire

Jesus sent me

von D.S.
Mit THERAPIE FÜR EINEN VAMPIR konnten wir bereits beim FFF 2015 eine Komödie sehen, in der ein Blutsauger einem Psychotherapeuten sein Herz ausschüttet. Die gleiche Rahmenhandlung bekommen wir auch bei VIDAR THE VAMPIRE geboten, der sich in seiner Tonalität aber vollständig von dem österreichischen Beitrag unterscheidet.

Tatsächlich ist der komödiantische hier nur ein Teilaspekt, ebensosehr ist VIDAR melancholisches Drama, Außenseiterstudie – und vehement blasphemische Groteske. Kirchenvertreter dürften bei einer Sichtung mitunter vor Wut knallrot anlaufen.

Aufseiten des gewöhnlichen Publikums dominieren zunächst jedoch durchaus die Lacher, wenn auf trockene Weise die skurrile Hintergrundgeschichte der Vampirwerdung des Dorfbauern Vidar erzählt wird, der mit 33 noch bei Mama wohnt und niemals eine Freundin haben wird. Je länger seine Erzählung jedoch andauert, desto stärker rücken teilweise regelrecht deprimierende Aspekte in den Vordergrund. Einsam- und Sinnlosigkeit kann man eben auch als Vampir nicht entfliehen. Vielleicht sogar erst recht nicht.

Zu einem echten Drama kippt VIDAR allerdings nie um, da ist regelmäßig schräge Situationskomik vor – sowie gelegentliche, erstaunlich düster und beklemmend inszenierte Ausflüge in Horrorszenarien.

So ganz weiß VIDAR also nicht, wo er eigentlich hin will. Wer eine typische Vampirkomödie erwartet, könnte herb enttäuscht werden. Wer auf eine Story hofft, die über die Schilderung des bereits im Trailer vorgestellten Status Quo hinausgeht, allerdings auch: sehr viel weiter entwickelt sich das Ganze nicht, das Ende des Films kommt adäquat plötzlich und bleibt unbefriedigend (wie auch bereits von Herr_Kees vermerkt).

Insgesamt gibt es von mir aber dennoch eine Empfehlung. Nicht für einen Partyfilm, aber für eine Charakterstudie, die doch deutlich neben der Spur des Gewöhnlichen liegt. 6/10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

17.09.2017, 03:34



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