von Fans für Fans

The Villainess

Hardcore Sook-hee

von Herr_Kees
Die ersten zehn Minuten gibt THE VILLAINESS Vollgas: In Egoshooter-Optik à la HARDCORE werden wir mitten ins Geschehen katapultiert und erleben aus nächster Nähe, wie sich Sook-hee durch eine knappe Hundertschaft bewaffneter Thugs ballert, sticht, hackt, schlägt und würgt. Wer dachte, BLADE OF THE IMMORTAL hätte die größte Schlachtplatte des Festivals im Angebot und THE RAID oder OLDBOY hätten bereits alles gezeigt, was man in einem Hausflur anrichten kann, der wird hier eines besseren belehrt.

Die Dynamik des Auftakts kann der Film in den folgenden zwei Stunden nicht mehr erreichen, auch wenn noch zwei bis drei nennenswerte Actionszenen folgen, u. a. ein Schwertkampf auf Motorrädern und ein Kampf in (und an) einem fahrenden Linienbus (dessen Fahrer sich im Übrigen sehr pflichtbewusst durch kein Gemetzel der Welt von seiner Busfahrereraufgabe abbringen lässt). Das klingt trotzdem nach einem bahnbrechenden Actionreißer. Dennoch wird der Film, den man ruhig offen als inoffizielles Remake von LA FEMME NIKITA bezeichnen kann, viele Actionfans auf eine Art enttäuschen, wie auch IT viele Horrorfans enttäuscht hat.

Denn die wahren Actionhelden von THE VILLAINESS sind nicht die Schauspieler oder ihre Stuntleute, sondern Kamera, Schnitt und Computer. Hier gibt es keine bestaunenswerten Choreografien, sondern entfesselte, CGI-gestützte Kamerafahrten und Schnittgewitter. Daraus entsteht die eine oder andere kinetisch gelungene Szene, insbesondere zu Beginn, doch die meiste Zeit lässt es sich hier einfach nicht so recht mitfiebern, zu künstlich und auch zu unübersichtlich ist die Aktion auf der Leinwand.

Auch die Story reißt es nicht so wirklich. Die altbekannte Geschichte der jung trainierten Assassinin wird hier gleich doppelt erzählt, denn zur aktuellen Handlung kommen irritierend unsortierte Flashbacks, die persönliche Geschichte von Sook-hee beschert uns zahlreiche melodramatische Szenen, die den Film im Mittelteil dramatisch abbremsen und auch nicht gerade zur Glaubwürdigkeit des Ganzen beitragen.

Schon Byeong-gil Jeongs CONFESSION OF MURDER, dessen Remake ebenfalls im Programm läuft, hatte eine gelungene Eingangsszene und war ansonsten ein rechter Murks. THE VILLAINESS ist zwar deutlich besser, aber eben kein wirklich runder Film.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

18.09.2017, 00:30



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