von Fans für Fans

Sicilian Ghost Story

Dreams are my Reality

von D.S.
Dem Titel meines Reviews zum Trotz ist das diesjährige Centerpiece weder kitschig noch albern noch poppig bunt: Tatsächlich handelt es sich um einen ausnehmend leisen, poetischen, stellenweise fast magisch anmutenden Film, der eine bittere Geschichte mit realem Hintergrund immer wieder in phantastische Gefilde überführt. Im Zentrum der Handlung steht dabei jedoch ein junges Mädchen, Luna, für das Träume ein Weg sind, die Realität zu gestalten.

Nachdem ihre erste, große Liebe Giuseppe von Mafia-Schergen entführt worden ist, entwickelt sie zudem die Fähigkeit, in ihren Träumen realitätsgleiche Visionen zu entwickeln, Traum und Realität also miteinander zu verbinden – und in diese Realträume bzw. Visionen nimmt uns der Film auf faszinierende Weise mit, indem er auch für den Zuschauer die Grenzen zwischen Lunas Wahrnehmungsebenen verschwimmen lässt. Besonders beeindruckend gelingt dies in Sequenzen, in denen Teile der gezeigten Szenerie real, andere jedoch geträumt sind, letztere also wie eine zweite Bildebene wirken.

Auch abgesehen davon ist der Film exzellent fotografiert, sowohl hinsichtlich seiner sensationellen Landschaftsaufnahmen als auch seiner Inszenierung dunkler, enger Räume oder der omnipräsenten Natur und ihrer Bewohner. Neben der Kamera und der Bildkomposition trägt auch der melancholische, sehr "weite" Score dazu bei, uns eine andere Welt zwischen Sehnsucht und Schmerzen zu eröffnen.

SICILIAN GHOST STORY entwickelt sich zu großer Filmkunst mit teils halluzinatorischer Sogkraft – leider aber benötigt er für meinen Geschmack viel zu lange dafür. Das Tempo des Geschehens ist nie nennenswert hoch, und über das erste Drittel der Laufzeit hinweg geschah weder in inhaltlicher noch in stilistischer Hinsicht viel, das mein Interesse geweckt hätte.

Irgendwann ertappte ich mich dann aber doch dabei, in die poetische Filmwelt einzutauchen. Zudem entwickelt die Geschichte eine Tragik, die kaum kaltlassen kann. Da der Weg dorthin für mich persönlich aber ein Stück zu weit war: "nur" 7/10 Punkten. Dennoch klar eines der bisherigen Highlights des Programms.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

18.09.2017, 02:37



Weitere Informationen (externe Links):