von Fans für Fans

The Strange Ones

Du machst dir die Welt, wie sie dir gefällt

von D.S.
Selten trug ein Filmtitel so viel Wahrheit in sich: THE STRANGE ONES ist tatsächlich ein ausnehmend seltsamer Film – wie seltsam er aber wirklich ist, wird erst ganz am Ende, in den allerletzten Einstellungen klar. Genauer gesagt: DASS er wirklich seltsam ist, wird erst ganz am Ende klar.

Zwar atmet er von Anfang an eine mysteriös düstere Aura. Es ist überdeutlich, dass die Dinge hier nicht so sind, wie sie zu sein scheinen. Die uns zunächst vorgestellte Ausgangssituation – ein stiller, stoischer kleiner Junge, Sam (James Freedson-Jackson, COP CAR), ist mit seinem deutlich älteren Bruder, dem raubeinigen Nick (Alex Pettyfer, I AM NUMBER FOUR), im Auto unterwegs zum Campen – wird binnen kürzester Frist durch Flashbacks und Nachrichtenmeldungen als Fassade enttarnt; was hinter ihr steckt, bleibt lange völlig unklar.

Was sich vor dieser Fassade abspielt, ist jedoch leider weitestgehend unspektakulär. Die beiden Jungs fahren im Auto durch die Gegend, streiten sich, quartieren sich in einem Motel ein, erreichen schließlich eine abgelegene Hütte im Wald. All das ist mit so wenig Drive inszeniert, wirkt so un-seltsam und belanglos, dass sich keine rechte Lust entwickeln mag, das Mysterium zu entschlüsseln. Oder auch nur gesteigertes Interesse an seiner Entschlüsselung zu entwickeln.

Ohne zu spoilern kann nur gesagt werden, dass der Grund für ihre Fahrt ernste familiäre Probleme sind, die mit Sams Vater (Will Blomker) zusammenhängen. Dass es um Abhängigkeitsverhältnisse geht, die sich nicht immer sofort in ihrer wahren Dimension zu erkennen geben. Und dass hinter der Geschichte sehr viel mehr Tragik steckt, als es zunächst den Anschein hat... und sehr viel mehr Seltsamkeit.

Es gibt unterschiedlichste Möglichkeiten, die Auflösung von THE STRANGE ONES zu interpretieren. So etwas spricht in meinen Augen grundsätzlich schon einmal für einen Film. Zumindest, wenn er sich so verhält wie dieser: Er lässt uns mit der Entschlüsselungsarbeit nicht etwa von einer Sekunde auf die andere allein im Irgendwo, sondern versteckt über seine gesamte Laufzeit hinweg immer wieder Hinweise, die eine bestimmte – wilde – Deutung wahrscheinlich wirken lassen. Man muss allerdings sehr genau aufpassen, um alle diese Hinweise mitzubekommen.

Und: Man muss schon prinzipiell große Lust auf eine solche Entschlüsselungsarbeit haben, denn leicht macht es einem der Film mit seiner Langsamkeit und häufigen Ereignislosigkeit nicht gerade, daran ein Interesse zu entwickeln. Also, Mystery-Fans mit Ausdauer, Puzzleleidenschaft und detektivischen Trieben voran! Ihr könntet an THE STRANGE ONES Gefallen finden und eventuell mit einem echten Mindfuck belohnt werden. Ich persönlich aber bin für mehr als 5,5 von 10 Punkten vermutlich einfach nicht geduldig genug.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

18.09.2017, 03:22



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