von Fans für Fans

Darkland

Doctor Punisher

von D.S.
Der ca. 40-jährige Zaid (Dar Salim, EXODUS) ist ein Angehöriger der Kopenhagener Oberschicht; ein erfolgreicher Chirurg mit einem Penthouse mit Flussblick, vielen arrivierten Freunden und schwangerer Ehefrau. In Zaids Leben herrschen Kultiviertheit und Chic vor. Dass er erst als Kind hierhergekommen ist, als Flüchtling aus dem Irak, merkt man ihm in keiner Hinsicht an.

Das gilt jedenfalls so lange, bis sein jüngerer Bruder Yasin ermordet aufgefunden wird. Die Polizei zeigt sich schwerfällig, also stellt Zaid selbst ein paar Nachforschungen an und findet heraus, dass Yasin wohl Opfer seines Gangster-Umfelds geworden ist – das von arabischen Mafiosi regiert wird. Die Polizei bleibt schwerfällig. Immer stärker von dem Wunsch besessen, seinen Bruder zu rächen und die Verantwortlichen zur Strecke zu bringen, reaktiviert Zaid deshalb ein paar alte Haudegen aus seinen früheren Boxer-Tagen, nimmt das Training wieder auf... und mutiert binnen weniger Tage vom eloquenten Chirurgen zum Mini-Punisher, der komplett mit Kampfuniform und schwarzen Streifen im Gesicht in den Krieg gegen die Unterwelt Kopenhagens zieht, um sie als Ein-Mann-Armee trockenzulegen.

Ja, sein Kampfroboter-Auftritt entbehrt in manchen Momenten nicht einer gewissen Komik, da er unfassbar unrealistisch in Szene gesetzt ist. Das passt so wenig zum ernsten Tonfall des restlichen Films, zu seiner düsteren Atmosphäre und seiner inhaltlichen Bitterkeit, dass man sich schon mal fragt, auf welchem Trip die Verantwortlichen da wohl waren.

Immerhin sorgt diese Inszenierung des Rächers Zaid mitunter für gesunde Härte und einige Actionhöhepunkte in der zweiten Hälfte des Films. Sie verdeutlicht aber auch, dass DARKLAND im Wesentlichen nichts anderes ist als eine handelsübliche Rache-Story, ein Film über ungesühnte Verbrechen und die Selbstjustiz eines Einzelnen, der sich nicht unterkriegen lässt – und so etwas hat man einfach schon viel zu oft gesehen, als dass man hier sonderlich mitgerissen werden würde.

Schlecht macht DARKLAND seine generische Sache dabei nicht, insbesondere hinsichtlich seiner Ästhetik ist er durchaus sehenswert und Fans entsprechender Sujets allemal empfehlenswert. Für mich verliert er jedoch nicht nur aufgrund seiner inhaltlichen Redundanz bzw. Klischeehaftigkeit und der erwähnten Unglaubwürdigkeit seiner Handlungsentfaltung an Wert.

Schlimmer finde ich, dass er viel interessantere Thematiken andeutet – den Konflikt zwischen dem Streben nach individuellem Glück und dem Übernehmen von Verantwortung für seine "Familie"; die Kollision unterschiedlicher Wertesysteme von westlicher und arabischer Welt; die Frage, inwieweit man seine eigene Identität aufbauen kann oder doch immer wieder von seiner Herkunft, seiner sozialen Kaste, ebenjener "Familie" eingeholt wird. Diese Thematiken werden aber eben nur angedeutet, in wenigen Dialogen kurz angerissen.

Vielleicht wäre es von einem Rache-Thriller aber auch zu viel verlangt, hier mehr in die Tiefe zu gehen. Andererseits hätte sich DARKLAND entsprechende Ansätze dann auch gleich schenken können. Denn in dieser Form ist er nicht mehr als nur ein weiterer Standardvertreter seines Genres – der bloß in einem leicht unüblichen Umfeld angesiedelt ist, aber niemals auch nur ein Stück weit gegen die etablierten Konventionen verstößt. Von mir deshalb nur 5,5 Punkte. Und die Erkenntnis, dass manche Ärzte lieber sich selbst als ihren Patienten eine Spritze setzen... und ich sie nicht an meinem offenen Herzen wissen möchte.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

19.09.2017, 04:40



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