von Fans für Fans

Replace

Hau(p)tsache gesund

von Dr_Schaedel
Wir kommen, wie schon im Forum angedeutet, zum Münchner Heimspiel, mit anschließendem sehr sympathischen und informativem Q&A mit dem anwesenden Regisseur und dem Produzenten.

Heimspiel, weil große Teile des Films in und um München gedreht wurden, obwohl der Film in Kanada spielt. Für eine Episode in einer Bar diente die Münchner „Registratur“. Ein altes Krankenhaus in Gauting musste dank seiner creepy Grundatmosphäre als Setting fürs Finale herhalten. Das sieht man dem Film aber nicht an. Er hat durchaus internationales Appeal, und auch das lächerliche Budget (genaue Zahlen sollen wohl nicht publiziert werden, aber - psst: weit unter 1 Million) schlägt sich nicht in billiger Optik nieder. Das liegt nicht zuletzt an der beachtlichen Arbeit von Kamera, Maske und Requisiteuren.

REPLACE ist hübsch harter Sci-fi/Body-Horror, in dem es eine Menge Haut zu sehen gibt. Nicht nur als heiß begehrtes Ersatzteil für die eigene sieche Körperhülle, sondern auch in attraktiver, quicklebendiger, vor allem weiblicher Form. Manchen Feministinnen dürfte es die Zornesröte ins Gesicht treiben, wie die Macher die Geschichte nicht selten als Transportmittel benutzen, um ein paar Männerfantasien filmisch auszuleben. Aber gut, der Horrorfilm wandelt hier ja seit seiner Erfindung schon auf dünnem Eis bzw. ist schon zigmal darin eingebrochen, man wird es überleben.

REPLACE folgt damit sicher berühmten Vorbildern, wie z. B. David Cronenberg, aus dessen Verehrung Regisseur Norbert Keil (VIERGETEILT IM MORGENGRAUEN) keinen Hehl macht. Auch, dass er sich Richard Stanley, Schöpfer des Cyberpunk-Tabernakels HARDWARE (dt. M.A.R.K. 13- HARDWARE) an Bord geholt hat, zeugt von seiner Liebe zu den Stilikonen des Horrorfilms des späten 20. Jahrhunderts. Das mutet durchaus sympathisch an und beschert uns ein Wiedersehen mit roten OP-Kitteln und auf Tische fixierten Frauen, Auge in Auge mit dem Mad Scientist (hier: Barbara Crampton aus RE-ANIMATOR und BEYOND THE GATES).

Ein kurzweiliges, stylishes Ding also. Negativ fiel mir der sehr gleichgültige Umgang mit den Opfern der Attacken auf. Auch andere Leidensgenossinnen der Protagonistin sind nur dekoratives By-Product. Ob das einfach die Gleichgültigkeit der Macher mit den Nebenfiguren widerspiegelt oder ein Kunstgriff sein soll, weil hier Menschen eben stückchenweise abgeerntet werden wie das Basilikum auf dem Fensterbrett, ich weiß es nicht. Gefallen hat mir das nicht.

Fazit: Geht nicht unter die Haut (haha), aber bietet gut konstruierte und bebilderte Horror-Action der alten Schule auf beachtlichem technischen Niveau. Das Genrekino aus deutschen Landen ist noch nicht verloren.
Dr_Schaedel
sah diesen Film im Cinemaxx, München

19.09.2017, 14:41



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