von Fans für Fans

My Friend Dahmer

Mit Aussicht auf Mord

von Dr_Schaedel
So, was haben wir denn hier? Ein bisschen schwierig einzuordnen, das Ganze. Eine Graphic Novel-Verfilmung, die sich den gängigen Genres etwas entzieht. Es wurde im Vorfeld ja mehrmals gesagt und sei hier auch nochmal betont: Es geht um den Serienmörder Jeffrey Dahmer, allerdings bevor er zum Mörder wurde. Die Taten selbst sind also im Film nicht enthalten.

Dass es sich hier um einen ziemlich devianten Sonderling handelt, daran lässt der Film von Anfang an keinen Zweifel. Die Figur wird schon als gefühlsarm, beobachtend, misanthrop eingeführt. Aber was soll man aber nun knapp 2 Stunden lang einem teilnahmslos durch die Welt schlurfenden, wenig Sympathien weckenden Teenager zusehen, der so tot wirkt, wie die Tiere, mit denen er in seiner kleinen Holzhütte herumexperimentiert?

Weder wird die beginnende Entwicklung zum Verbrecher besonders anschaulich in Szene gesetzt, noch seine langsam erwachende (Homo-) Sexualitat interessant beleuchtet. Alles geschieht andeutungsweise und eher beiläufig. Da auch das Umfeld von Dahmer bis auf den Kumpel Derf (der später die Buchvorlage zeichnen wird, hier gespielt von Alex Wolff), keine Sympathiepunkte einheimsen kann, ist MY FRIEND DAHMER eine ganz schön zähe Geschichte und alles andere als eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Ein wenig Komik blitzt in den Szenen auf, in denen Dahmer sich bei den anderen Schülern interessant machen will, in dem er mit ihnen irgendwelche subversiven Aktionen und Performances im öffentlichen Raum veranstaltet. Das reicht aber nicht so ganz, um näheres Interesse an den Figuren zu entwickeln, es zeigt eher auf ernüchternde Weise, wie sich Menschen gegenseitig aus Hedonismus instrumentalisieren. Ob uns das nie gekannte Einblicke in das Innenleben eines späteren Killers verschafft?

Mit Graphic Novels ist es auch so eine Sache: Sie strotzen selten vor Action und weirden Szenen. Da wird dann doch gerne eher das Individuum traurig schauend in der Totale, der Halbtotale oder im Close-up gezeigt, hie und da mal ein Dialog oder innerer Monolog drangeklebt, und – schwupps - sind die 60, 120 oder wie hier über 200 Seiten voll. Wer sich auf diese Strukturen einlassen kann, ist mit der Verfilmung von MY FRIEND DAHMER bestens bedient. Alle anderen dürften etwas enttäuscht sein.
Dr_Schaedel
sah diesen Film im Cinemaxx, München

19.09.2017, 14:54



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