von Fans für Fans

Game of Death

Lame Game

von D.S.
Das franko-kanadische Debüt GAME OF DEATH hat eine Laufzeit von gerade 73 Minuten – und schafft es nicht einmal, diese mit ausreichend Handlung zu füllen, sondern muss dafür auf minutenlange Ausschnitte einer TV-Doku über Seekühe und anderes zusammenhangloses Füllmaterial zurückgreifen: Das sollte das Problem, an dem der Film krankt, schon verdeutlichen.

Er wirkt absolut nicht fertig entwickelt. So, als hätten ein paar Kumpels beim Bier eine lustige Idee für einen Splatterfilm aufgeschrieben und es dann dabei belassen. Das beginnt schon beim ausschweifenden Intro, das uns die fast komplett konturlos gezeichneten, austauschbaren Protagonisten als sexgeile Party-Kiddies vorstellt – unangenehm und natürlich in adäquater Smartphone-Optik gehalten. Rein zufällig finden sie beim Chillen ein altes Spiel und starten es einfach mal. Schnell wird deutlich, dass das Spiel es absolut ernst meint, wenn es 24 Todesopfer fordert, und nach dem ersten spritzig explodierenden Kopf reibt sich der Splatterfreund die Hände und freut sich auf exzessives, kreatives Blutvergießen.

Zu früh gefreut. Zwar hat GAME OF DEATH an der Gore-Front tatsächlich einiges zu bieten, die Effekte beeindrucken. Es sind nur leider viel zu wenige davon zu sehen – mehr als 10 Kills bekommen wir nicht vorgeführt, wenn ich mich recht erinnere. Und die meisten davon werden nicht unbedingt einfallsreich, sondern durch simples Erschießen herbeigeführt. Der Rest fällt einer Animationssequenz zum Opfer, die mehr billig als stylisch wirkt.

Noch entscheidender: Der Film hat keine Ahnung, wie er seine Prämisse zum Spannungsaufbau nutzen soll. Die Charaktere sind durch die Bank sehr unsympathisch gezeichnet, also gibt es auch niemanden, mit dem man mitfiebern kann. Das Spiel selbst bietet keinerlei Variationen – es geht hier immer nur ganz stupide ums Töten, ohne Eskalationsstufen oder jeden weiteren Handlungseinfall. Zudem wird nicht einmal die Spiel-Mechanik genauer erörtert: Es ist beispielsweise überhaupt nicht klar, wie viel Zeit den Spielern für den jeweils nächsten Kill bleibt. Also kann auch nicht mit Tempo/Dramatik, wie etwa bei einem Countdown, gespielt werden.

Da, wie erwähnt, den Machern überdeutlich die Ideen gefehlt haben, bekommen wir stattdessen regelmäßig Seekühe zu sehen und dürfen einer älteren Frau dabei zuhören, wie sie ihrer Dogge ein Lied vorsingt. Auch schön. Aber auf Dauer weder lustig noch irgendwo die Handlung befördernd.

Immerhin ist das Ganze schnell vorbei und wummst zwischendurch ganz ordentlich. Aber aus dem Ausgangsgedanken wurde in der Umsetzung erschreckend wenig gemacht – und das gipfelt dann auch noch in einem sehr uninspirierten Ende. Mehr als 4,5 von 10 Punkten sind da enttäuschender Weise nicht drin.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

20.09.2017, 05:42



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