von Fans für Fans

Bitch

Bring a Chew Toy

von D.S.
Die perfekte Hausfrau und Mutter sein, die eigenen Wünsche immer hintenanstellen, einem Ehemann treu zur Seite stehen, der ihr seinerseits untreu ist und sie letztendlich wie eine bessere Putzsklavin behandelt: Das Korsett der selbstgewählten "Suburban Hell" beginnt Jill (gespielt von Regisseurin und Drehbuchautorin Marianna Palka, CONTRACTED: PHASE 2) zu zerquetschen, und sie sieht nur noch einen Ausweg: Selbstmord. Als dieser scheitert, stürzt sie in einen Nervenzusammenbruch der besonderen Art – und wird zur Hündin. Mit nicht besonders guten Manieren...

BITCH erzählt seine simple Geschichte von der radikalen Emanzipation einer unterjochten Frau und deren Auswirkungen auf ihr Umfeld in Form einer Satire, die fast zur Groteske wird – fliegende Fäkalien eingeschlossen. Offenbar das Trendthema beim FFF 2017. Dabei offenbart sich eine seiner Stärken gleichzeitig als seine größte Schwäche: Der Film baut seine Protagonisten als maximal überzeichnete Symbolfiguren auf. Das gilt insbesondere für den Charakter von Bill, Jills Ehemann; gespielt von Jason Ritter (PARENTHOOD), der in seiner Performance hier enorm an Jim Carrey erinnert – vor allem in einer Szene am Ende, in der er sich einmal richtig austoben darf. Bill ist angelegt als unfassbar selbstsüchtiges, ignorantes Arschloch; ja, eigentlich als eine Art Riesenbaby, das für nichts und niemanden Verantwortung übernimmt und dem das Wahren eines schönen Scheins um Welten wichtiger ist als das Wohlergehen seiner Frau.

Diese extreme Überzeichnung sorgt für beste Unterhaltung und oft ungläubiges Lachen: etwa, wenn man realisiert, was dieser Tropf von Ehemann jetzt schon wieder unmöglich Egozentrisches von sich gegeben hat. Sie sorgt aber auch dafür, dass man die Figuren kaum als echte Menschen wahrnehmen und sich um ihr Wohl und Wehe im weiteren Verlauf der Handlung ernsthaft bekümmert zeigen kann. Genau das scheint der Film aber von uns zu erwarten, denn ab einem gewissen Punkt ungefähr zur Hälfte der Laufzeit fährt er die Satire herunter und begibt sich zunehmend in die Gefilde eines emotionalen Dramas. Für eine solche Ernsthaftigkeit ist das vorherige Setup von Handlung und Figuren aber eindeutig zu komödiantisch geraten; und auch die buchstäbliche Bissigkeit der Aussage wird in der zweiten Filmhälfte nicht mehr gesteigert – oder nutzt sich etwas ab, da ihr Punkt nun einmal schon recht frühzeitig gemacht worden und dann auch ziemlich klar ist, welche Entwicklung die Figuren in der Folge noch durchmachen werden.

Wenn aber auch das Wirk-Niveau der ersten Filmhälfte nicht gehalten werden kann: Die Idee von BITCH und großenteils auch ihre Umsetzung sind so grandios bescheuert und konsequent, dass man mit dem Film ganz einfach eine Menge Spaß haben muss. Wuff! 6/10
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

21.09.2017, 03:23



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