von Fans für Fans

Colossal

Alkoloss

von D.S.
COLOSSAL hat eine wunderbar bizarre Grundidee, die ich in dieser oder einer ähnlichen Form noch nie umgesetzt gesehen habe: Eine junge Frau in einer amerikanischen Kleinstadt (Anne Hathaway, INTERSTELLAR) macht zufällig die Entdeckung, dass sie die Bewegungen eines kolossalen Monsters steuert, das Seoul in Schutt und Asche legt. Alleine schon die Originalität dieses seines Story-Kerns macht den im FFF-Vergleich verhältnismäßig hoch budgetierten Film, der in den US-Kinos allerdings schwer gefloppt ist, allemal sehenswert.

Für den Verlauf der Handlung gilt das meiner Meinung nach aber nur teilweise. Die Einführung und lebensnahe Zeichnung der Protagonisten gelingt dabei auf unterhaltsame und ausreichend gestraffte Weise, zudem sind sie durchweg überzeugend gespielt – Anne Hathaway fand ich auch als typische "Party-Alkoholikerin" Gloria durchaus glaubwürdig. Die Idee der Monster-Fernsteuerung wird äußerst amüsant etabliert und in ihrer Schrägheit zunächst auch angemessen ausgespielt: Es ist einfach wunderbar witzig, Glorias trunkene Gesten in denen des riesigen Kaiju-Wesens gespiegelt zu sehen.

Für meinen Geschmack gelingt dem Film die Balancierung zwischen dieser komödiantischen Komponente und seiner darunter liegenden, immer präsenter werdenden ernsthaften Thematik um Verantwortung, Abhängigkeiten und Selbstemanzipation aber nicht auf optimale Weise. Tatsächlich kam es mir so vor, als zerbräche COLOSSAL fast in zwei Hälften: eine hochgradig lustige, eine tiefgehend dramatische. Diese beschäftigt sich dann vor allem mit dem Verhältnis zwischen Gloria und ihrem alten Schulfreund Oscar (Jason Sudeikis, WE’RE THE MILLERS), der ihr zunächst auf die Beine hilft, als sie nach dem Zusammenbruch ihres bisherigen Lebens und der Trennung von ihrem Partner New York in Richtung ihrer kleinen Heimatstadt verlassen hat.

In der Behandlung dieser Thematik und der schwierigen Entwicklung, die sie nimmt, bleibt der Film zwar zweifellos interessant – denn er lässt Eindimensionalitäten wie Oberflächlichkeiten hinter sich und schafft es so, echtes Interesse am Ausgang des Dramas zu schaffen. Mit der Monster-Action ist es dafür aber erst mal weitgehend vorbei. Und das kann man nach der furiosen ersten Hälfte schon etwas enttäuschend finden.

Zudem erschien mir der Tonfall des Films etwas zu deutlich belehrend, wenn er sich dem Thema Alkoholkonsum bzw. Alkoholismus widmet. Was in geradezu kolossalem Ausmaß der Fall ist, wenn auch nicht immer auf offensichtliche Weise. Ich denke, etwas mehr Subtilität hätte hier besser zur sonstigen Zeichnung der Figuren und ihrer Verhaltensweisen gepasst, stattdessen bekommen wir den Zeigefinger passagenweise förmlich ins Gesicht gerammt.

Nichtsdestotrotz ist COLOSSAL unbedingt empfehlenswert, denn er ist einerseits bezaubernd komisch und andererseits emotional bewegend. Nur leider eben diesbezüglich nicht unbedingt immer ausgewogen genug umgesetzt. Von mir gibt's dafür 6,5 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

21.09.2017, 05:02



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