von Fans für Fans

Psychopaths

Let there be Chaos

von D.S.
Charles Starkweather war ein berüchtigter Serienmörder aus Nebraska, der 1959 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde. PSYCHOPATHS, der aktuelle Film von Mickey Keating (CARNAGE PARK), lehnt seine Handlung an seiner Figur an – allerdings nur äußerst lose. Denn in die Geschichte und in die Popkultur eingegangen ist Starkweather als eine Hälfte, die treibende, eines Killer-Pärchens im Teenager-Alter, das unter anderem Vorlage für Oliver Stones NATURAL BORN KILLERS war. Seine Freundin spielt in diesem Film aber überhaupt keine Rolle.

Zum Zeitpunkt seiner Exekution war der echte Charles Starkweather zudem gerade mal 20 Jahre alt. Im Film wird er von Larry Fassenden (WE ARE STILL HERE) mit grauenhaftem Overacting verkörpert, und der ist 54, sieht hier aber sogar eher aus wie 64. Fassenden ist aber nicht das einzige darstellerische Problem von PSYCHOPATHS: Mit Ausnahme von Ashley Bell (THE LAST EXORCISM) als so verführerische wie verstörende Cabaret-Killerin Alice agieren fast alle Schauspieler in dieser Produktion auf Laien-Niveau. In mehreren Fällen führt das glatt zu Fremdschämen, wie etwa bei Jeremy Gardners (BATTERY) Auftritten als Cop.

Negativ fällt außerdem die uncharismatische Erzählstimme (Jeff Daniel Phillips, 31) auf, die in gelangweiltem Tonfall pseudo-finstere Andeutungen über die Rache des hingerichteten Starkweather in den Äther brabbelt und damit die fragmentarisch dargebotene Handlung in gewisser Weise zusammenhält.

Ach ja, die Handlung. Die dreht sich darum, dass Starkweathers Geist in mehrere menschliche Hüllen gleichzeitig fährt und dafür sorgt, dass Los Angeles von Chaos und Gewalt heimgesucht wird. Konkret folgen wir verschiedenen Charakteren auf der Blutspur, die sie quer durch die Stadt ziehen. Einige von ihnen scheinen schon vorher verrückt oder mörderisch veranlagt gewesen zu sein, andere wurden wohl erst vom handlungsauslösenden Moment von Allerweltsbürgern in Mordmaschinen verwandelt.

Ihren Taten wie auch dem Geschehen als Ganzes ist dabei alles andere als leicht zu folgen, denn PSYCHOPATHS ist maximal non-linear erzählt: Hier gibt es nicht nur andauernde vor und zurück führende Zeitsprünge, sondern gleichzeitig auch wilde Wechsel von einer Handlungsperspektive zur nächsten. Kein episodenhaftes Erzählen, sondern eben fragmentarisches.

Für den Konsum und, je nach Neigung, Genuss des Films ist das aber nicht unbedingt ein großes Problem, denn die Handlung dreht sich ohnehin nur um verschiedene Kills verschiedener Figuren in verschiedenen Konstellationen, die manchmal auch aus verschiedenen Blickwinkeln dargeboten werden. Viel wichtiger ist dem Film seine Gestaltung. Und diese kann man zwar sowohl als respektlos zusammengeklaut als auch als stilistisch planlos durcheinandergeworfen als auch als äußerst anstrengend betrachten: Ich empfand sie als hochinteressant und war überrascht von der immer wieder aufblitzenden Klasse in Sachen Bildkomposition und Farbgebung.

In mancher Hinsicht wirkt PSYCHOPATHS tatsächlich wie ein künstlerischer Experimentalfilm, ein Style-Exzess, der phasenweise extreme Intensität erreicht. Sein hoher Härtegrad und der durch die ständigen schnellen Schnitte und Situationswechsel erreichte Abwechslungsreichtum schaden dem Filmerlebnis auch nicht, ebenso wenig wie der feine 50s-Soundtrack.

Was dem Film allerdings durchaus schadet, sind der Mangel an Story und die erwähnte Amateurhaftigkeit der meisten Darsteller. Dennoch wundert mich seine bisherige überaus schlechte Bewertung ein wenig, denn ein (ziemlich rauschhaftes) Erlebnis ist PSYCHOPATHS allemal. Und locker 5,5 Punkte wert.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

21.09.2017, 06:07



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