von Fans für Fans

Bitch

A serious case of overacting

von Alexander
Alles an diesem Film ist anstrengend. Die übertriebenen Charakterzeichnungen, das permanente Overacting des Familienvaters, die permanent quasselnde Kinderschar, die teils seltsame Kamera, VOR ALLEM aber das grässliche Sound-Design und der vollkommen nervtötende, unerträgliche Free-Jazz Soundtrack der einem mit voller Wucht in unerträglicher Lautstärke um die Ohren gehauen wird. Letzteres wohl um die recht dünn gesäten Momente eines kompulsiven, dramatischen Erlebnisses in dieser eindimensionalen Geschichte audiovisuell irgendwie zu verstärken und somit dem Zuschauer klar zu machen: "Was hier passiert ist gerade ganz schön krass, merkst Du das jetzt auch?"

Das kam bei mir leider nicht so gut an. Ich hoffte auf eine Art Komödie im Stile von "The Voices" oder sonst einen netten, neuen, kleinen, filmischen Coup, wie sie ja gerne im Frankfurt Frühslot versteckt werden. Denn die Grundidee klingt ja durchaus innovativ. Aber Fehlanzeige. Bis auf ein paar kleine nette Gags und Witzchen i. d. ersten Hälfte von "Bitch" die mich zumindest ein- oder zweimal zum Schmunzeln bringen konnten, versandete der Film in der Zurschaustellung eines überforderten Familienvaters dem Job, Leben, Kinder und Gesichtszüge entgleisen und der sich für sein Overacting wohl Jim Carrey zum Vorbild genommen hatte.

"Bitch" kann sich dann auch nicht entscheiden, ob es Komödie oder Drama sein möchte, "Dramödie" trifft es wohl noch am besten. Entzücken konnten mich ausschließlich die Kinder, die ihre Sache großartig machen und dem Film in der ersten Hälfte einen herrlichen, komödiantischen Drive geben, bevor die Story dann in gewollt brachialem Familiendrama untergeht.

Die größte Enttäuschung aber war, dass die sich zum Hund verwandelte Mutter vollkommen aus dem Fokus des Films genommen wurde und fast gar nicht in Erscheinung trat. Die Geschichte konzentrierte sich zu 95 % auf die Kinder und ihren doofen Papa, von Marianna Palka ist so gut wie nichts zu sehen. Wahrscheinlich war sie wohl einfach zu beschäftigt in ihren weiteren Rollen als Regisseurin und Produzentin (!) aus diesem Murks noch einen einigermaßen brauchbaren Film zu machen.
Alexander
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

21.09.2017, 09:47



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