von Fans für Fans

Have a Nice Day

Großartige Milieustudie in düsteren Bildern

von Alexander
Zugegeben: Visuell hatten wir schon überwältigendere Animés auf dem Filmfest. Doch niemand hat behauptet hier ein neues Meisterwerk a la "Hayao Miyazaki" zeigen zu wollen. Auch wenn die Optik von "Have a Nice Day" irgendwo zwischen "Heavy Metal" und "Beavis & Butthead" angesiedelt sein mag und, wie ein Filmfestkumpel bemerkte, der Film wirkt, als würde man "einen Comic umblättern", so handelt es sich bei aller Kritik an der Bildgestaltung doch um einen SEHR GUTEN Comic, der mich alleine schon mit seiner Bildsprache ganz besonders zu beeindrucken vermochte. Man meinte fast die verrauchten Internet-Cafés und die kleinen Garküchen am Straßenrand riechen zu können.

Mir gefiel das wirklich auf den Punkt gebrachte Bild-Design und die wunderbaren, bis in das letzte Detail stimmigen Kompositionen von versifften Szenen aus den Niederungen Chinas, die in oft ruhigen Einstellungen und unaufgeregter Folge ein China der Armut und der Kriminalität abbilden, ohne das es notwendig wäre, dies mit hastigem Gestus oder übertriebenem Sounddesign zu verstärken. Die meist trostlosen Bilder und die hervorragenden Charakterzeichnungen sprechen für sich und über allem hängt ein Nebel der Verzweiflung und der Düsternis. Das ist große Kunst und ein wirklich einmaliges Erlebnis.

Auch die Geschichte machte Spaß, ist sie doch, typisch für die meisten weniger kommerziellen Produktionen aus Asien, ziemlich verschwurbelt und wirft einen direkt hinein in das Geschehen, ohne sich zuvor lange mit der endlosen Einführung ihrer zahlreichen Charaktere aufzuhalten. Wie sich hier die Wege zahlreicher Personen kreuzen, die sich alle eine Erlösung aus ihrem teils recht elenden Leben erhoffen, ist schon großartig erzählt und ein wirklich düsteres Drama.

Für mich war es ein Fest. Solche Filme werden auf dem FFF leider viel zu selten gezeigt.
Alexander
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

21.09.2017, 10:13



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