von Fans für Fans

Playground

Das Unfassbare

von meiklsan
Ich muss einfach noch ein paar Worte zu diesem „Titel“ verlieren, auch wenn es mir persönlich sehr schwer fällt. Denn eigentlich gibt es hierfür kaum die passenden Worte zu finden und man sollte diese fast dokumentarische Aufarbeitung eines schier unglaublichen „Out of the Blue“ Tathergangs unabhängig und außer Konkurrenz zu jeglichen anderen Filmen auf dem FFF betrachten und muss das Gesehene für sich selbst ganz alleine bewerten und verdauen.

Mutig, dass dieser Beitrag von Rosebud überhaupt ins Programm aufgenommen wurde? Denn dieser gefilmte polnische Sonderbeitrag steht völlig losgelöst, befremdlich und frei im Raum, ist gleichermaßen eine Milieu-Studie, ein Hab Acht Zeigefinger und ein sehr trauriges Abbild gesellschaftlicher Missstände in einer heranwachsenden allein gelassenen juvenilen Handy Generation X.

Ich fühlte mich während der Betrachtung dieser Studie sehr stark an die kleinen Einspieler der „XY-ungelöst“ TV Sendung erinnert. Mit dem großen Unterschied, dass es hier keine Einleitung zu dem „Fall“, geschweige denn einen Off-Sprecher zur Erklärung der Vorgänge gibt. Man wird als Zuschauer einfach mal kurz in den realen Alltag einer nicht privilegierten Gesellschaftsschicht rein geschmissen und muss schauen, wie man damit klar kommt. Der verniedlichende Titel des Films dürfte in dieser extrem zynischen und provokanten Art und Weise sehr wohl bewusst ausgewählt worden sein, um ihn überhaupt für eine breite Masse zugänglich zu machen?

Für mich ist dieser Film ein leiser aber gewaltiger Aufschrei in die Welt. Vielleicht könnte er sogar eine Auftragsarbeit der Angehörigen des Opfers sein, um ihnen damit die Trauerarbeit zu erleichtern und ihnen ein Gefühl zu vermitteln, dass sie mit dieser unmenschlichen Straftat jetzt nicht mehr alleine sind und sie ihr schreckliches Leid mit vielen Menschen da draußen teilen können!?

Hier wären Besucher des Produktion-Teams und ein Q&A mal so richtig notwendig gewesen!!! Denn als Zuschauer werden/sind wir mit unseren Empfindungen, mit unserer Traurigkeit und mit diesem tiefen Schlag in unsere scheinbar so heile soziale Welt- und Wertevorstellung völlig alleine gelassen und überfordert. Wahrscheinlich genauso hilf- und fassungslos wie die real betroffenen Angehörigen plötzlich mit diesem „Unfassbaren“ konfrontiert wurden?

Playground will definitiv aufrütteln, will uns diskret die Augen öffnen, bietet für das Gesehene bewusst keine Erklärung, denn die gibt es nicht und erspart sich jeglichen Kommentar. Für mich ist die filmische Umsetzung dieser „Straftat“ in ihrer gewählten Form deshalb absolut legitim und mit der gewahrten nötigen Distanz auch genau richtig.

Eine Bewertung im klassischen Sinne finde ich für diesen Film nicht als angemessen! Playground läuft für mich deshalb außer Konkurrenz und tut sehr weh!
meiklsan 
21.09.2017, 21:08



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