von Fans für Fans

Land of the Little People

Aber nicht auf Lebewesen zielen

von Janina Himmen
Nachdem mir der israelische Film BIG BAD WOLVES vor einigen Jahren ziemlich gefallen hat, war ich gespannt, was das Fantasy Filmfest dieses Mal aus dem Land für uns im Gepäck hatte, aus dem es nur wenige Genrefilme zu uns schaffen. In LAND OF THE LITTLE PEOPLE geht es um eine Gruppe von vier Kindern, die sich auf dem verlassenen Gelände einer ehemaligen Waffenfabrik regelmäßig zum Spielen treffen. Dann tauchen allerdings zwei Deserteure auf, die den Unterschlupf für sich beanspruchen. Das bedeutet Krieg... und die Kinder gehen den Kampf erbarmungsloser an als die Erwachsenen.

Als Kind habe ich mir selber Pfeil und Bogen gebastelt und damit im Garten auf Wände geschossen. Aber damit hat das hier nichts zu tun, und wer hier einen I DECLARE WAR erwartet, wird schon bei der Anfangsszene, in der ein Tier getötet wird, merken, dass wir von dessen naiver Unschuld meilenweit entfernt sind. Die Kinder in LAND OF THE LITTLE PEOPLE sind vollkommen verroht. Obwohl sie beispielsweise noch nie eine Pistole in der Hand hielten, zeigen sie keine Emotionen, wenn sie sie benutzen. Ich hatte erwartet, dass ich die beiden Soldaten als Eindringlinge wahrnehmen würde, aber die beiden wirkten trotz ihrer handgreiflichen Streitereien deutlich sympathischer als sämtliche Kinder, und so schlug ich mich schnell auf ihre Seite. Bis zuletzt wollen sie den Kindern nicht wirklich etwas Böses, sondern einfach nur eine Gelegenheit haben, zu verschwinden. Die Kinder hingegen kennen keine Grenzen.

Warum das so dargestellt wird, ist klar: Der Regisseur wollte anprangern, was es aus Kindern macht, wenn sie vom Krieg umgeben aufwachsen müssen. Selbst wenn sie nicht in Ruinen leben und sich ihr Alltag zwischen Einkaufszentrum und Kinderzimmer auf den ersten Blick nicht sonderlich von unserem unterscheidet, stumpfen sie innerlich ab. Die bedrohlichen Nachrichten im Fernsehen, Kampfjets am Himmel, Väter an der Front... und dazu die Parolen, dass es heldenhaft ist, zu kämpfen. Insbesondere natürlich für das eigene Land. Aber wie das Zitat Theodor Herzls im Vorspann schon sagt: "Men live and die for a flag; it is indeed the only thing for which they are willing to die in masses, provided one educates them to it." Und dazu braucht es nicht mal Schulunterricht, denn der wird gar nicht gezeigt. Die Kinder lernen durch ihren Alltag.

Also eigentlich eine gute Botschaft gegen Krieg: Er macht bereits aus Kindern Monster. Mein Problem war nur, dass ich es ihnen nicht abgekauft habe. Nicht, weil die jungen Darsteller schlecht gespielt hätten, das war sicher nicht der Fall. Sondern, weil das gezeigte Verhalten SO extrem war. Wäre da noch ein kleiner Funken Menschlichkeit gewesen, wäre es mir leichter gefallen, mich auf den Film einzulassen. Sind Kinder in Israel so? Natürlich nicht. Aber selbst für eine überzeichnete Parabel fehlte mir der Bezug zu den Charakteren. Vielleicht auch deshalb, weil die Erwachsenen im Vergleich dazu normaler wirken. Sind sie nicht auch im Kriegszustand aufgewachsen?

LAND OF THE LITTLE PEOPLE ist ein etwas anderer Antikriegsfilm, der sich nicht gegen eine Seite richtet, sondern die Auswirkungen eines langen Krieges auf die Kinder zeigen will. Das macht ihn interessant, und ich kann auch an der technischen Umsetzung und den Schauspielern wenig bemängeln. In seiner Darstellung schießt er aber, finde ich, über sein Ziel hinaus, und deshalb wirkten die Kinder leider überhaupt nicht überzeugend auf mich. In einem Film, in dem die Kinder im Mittelpunkt stehen, ist das schade.
Janina Himmen
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt - Original-Review

22.09.2017, 00:21



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