von Fans für Fans

It

Coming-of-Clownsage

von Leimbacher-Mario
"It" ist auf dem besten Weg zum erfolgreichsten Horrorfilm aller Zeiten. Das hat er verdient. Sicher ist er nicht der beste Grusler aller Zeiten, er ist jedoch zumindest erstaunlich effektiv, emotional, klassisch und wunderschön melancholisch. Sogar ein wenig mutig für einen recht großen Studiofilm (obwohl er budgettechnisch heutzutage fast schon wieder klein ist). Ich bin ziemlich begeistert! Komplett anders und etwas glatter als der TV-Zweiteiler aus den 90ern, der übrigens zufälligerweise genau 27 Jahre her ist, etwas "Stranger Things", Classic Spielberg und moderne Jumpscares in den Mix - fertig ist ein Thrillride mit Herz und Seele. Genauso sehr Coming-of-Age-Jugenddrama wie Horrorfilm. Stephen Kings Epos wird würdig wiedergeben oder zumindest angefangen, da der Erwachsenenteil ja noch kommt. Es geht um den Losers Club, eine Clique in der US-Kleinstadt Derry, die nicht gerade zu den coolsten Kids zählt, um es mal vorsichtig auszudrücken. Doch neben furchtbaren Eltern und terrorisierenden Bullies müssen die Jungs und das Mädel sich mit einem noch viel fieseren Bösewicht herumschlagen: der Pubertät. Und natürlich Pennywise, dem kinderfressenden Clown, den man als Manifestierung der Angst und des puren Bösen beschreiben kann.

"Es" ist eines von Kings dicksten, mächtigsten Büchern und die Macher tun gut daran, den Film in zwei Teile zu splitten. Hier steht mal nicht nur der doppelte Dollar dahinter. Man merkt in etlichen Szenen den Beteiligten sowohl ihr handwerkliches Können wie auch ihr Fansein vom Meister des literarischen Schreckens an. Allein audiovisuell ist das Ding eine solche Wucht, dass es mir öfters die Armhaare hochgestellt hat. Fans der 80er und des aktuellen Retro-Chic kommen voll auf ihre Kosten und können sich fast in den Details verlieren, ohne dass diese Nostalgieschiene zu aufdringlich wirkt. Bill Skarsgard macht sein ganz eigenes Ding und ist fast noch gruseliger und ursprünglich böser als Curry vor fast 30 Jahren. Seine fantastische Leistung kann sogar massiver CGI-Einsatz nicht übertünchen. Besonders gelungen sind überraschende neue, angstgespeiste Gestalten, die er annimmt, was der Figur Pennywise noch mehr Kante und Mysterium verschafft. Es gibt wirklich Passagen, wo man sich vor Angst in den Kinosessel presst und gleichzeitig vor Spaß dabei über beide Backen grinst. Diese Kombi bekommen nicht mehr viele große Horrorfilme heutzutage hin. Geisterbahnen, an die das jugendliche Treiben manchmal erinnert, ebenso wenig.

Muschietti hat nicht nur Liebe für die Vorlage, er weiß auch ganz genau, worauf es bei einem guten Horrorfilm ankommt. Nämlich auf Figuren, mit denen man mitfiebert, die man mag, die nachvollziehbar und sympathisch sind, wenn möglich sogar interessante Entwicklungen durchlaufen. Und all das schafft er hier mehrfach. Der Losers Club funktioniert einfach. In Sachen Chemie, Humor, Naivität, Echtheit und Emotionen, an die wir uns alle noch allzu gut erinnern. Was für eine grandiose Kindergruppe, mit Sicherheit mit einigen zukünftigen Sternchen gespickt. Das müssen die großen Stars als ihre erwachsenen Pendants in der Fortsetzung erstmal besser machen. Manchmal wirkt ihr clowntastisches Abenteuer etwas repetitiv, wie Malen-nach-Horrorzahlen. Doch das ist Meckern auf extrem hohem Niveau. Die lange Laufzeit wird nie zu zäh und lässt dem Geschehen und den Freundschaften, dem Grusel wie den Liebeleien erfreulich viel Spielraum. Die Freude zum Detail ist einfach ein Genuss und steht dem Buch in nichts nach, selbst wenn natürlich viel geändert wurde. Details auch in Sachen purer Horror, wenn z. B. eine Frau in der Bibliothek ganz hinten und unscharf im Bild auf einen unserer Protagonisten stiert, am helllichten Tag (!), dann ist das ganz großes Gänsehautgruseln. "Es" trifft den Zahn der Zeit und wird eine ganze Generation prägen, verändern, grandios unterhalten. Noch viel mehr, als es die erste filmische Adaption vor Jahrzehnten mit uns tat. Denn sie ist noch besser.

Fazit: Das Jahr des Clowns - "It" erfüllt alle meine Erwartungen und ist der (Mainstream-)Horrorfilm des Jahres. Eine der besten aller King-Verfilmungen zudem. Ein famoses Gruselkabinett der Angst, des Spaßes, der Jugend und des Zusammenhalts. Wird die aktuelle Generation noch wesentlich stärker prägen als uns der TV-Film in den 90ern.
Leimbacher-Mario

22.09.2017, 03:02



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