von Fans für Fans

This Is Your Death

We make the World a better Place

von D.S.
Im TV-Business tun manche buchstäblich alles für die Quote. Und wenn es das Befördern von Selbstmord vor laufender Kamera ist. Das Publikum, auf der anderen Seite, kennt genau so wenig Moral und fordert nur immer mehr, mehr, mehr Spektakel – koste es, was es wolle.

Dies ist die simple Botschaft von THIS IS YOUR DEATH. Und man muss ihm zugute halten, dass es ihm trotz der Trivialität und Altbekanntheit dieser Aussage gelingt, SEIN Publikum bei der Stange zu halten. Natürlich mit immer mehr, mehr, mehr Spektakel. Das ist aber gleichzeitig auch der Knackpunkt, das Problem des Films: Seine Prämisse einer landesweit von einem Network-Sender übertragenen Show, deren Teilnehmer sich live das Leben nehmen, ist bereits so haarsträubend, dass sie sich im Hinblick auf die Wirkung, im Hinblick auf den Grad moralischer Empörung beim Betrachter kaum noch steigern lässt.

Vor dieses Problem sehen sich in der Handlung übrigens natürlich auch die Macher der Show irgendwann gestellt: Wie soll man die „Spannungskurve“ im Verlauf einer TV-Saison hochhalten, wenn doch Live-Selbstmord schon mehr oder weniger der ultimative Tabubruch ist...? Die Antwort lautet natürlich: mehr Spektakel. Größere Geldpreise, brutalere Methoden der Eigenexekution. Für uns vor der Leinwand bleibt das Ganze dadurch, so gesehen, durchgängig unterhaltsam. Das emotionale Involvement hingegen schwindet bei fortschreitender Laufzeit immer mehr, denn mit den Ambivalenzen des Themas haben wir uns ja bereits im ersten Filmdrittel ausführlich auseinandergesetzt. Viele zusätzliche werden später nicht mehr ins Scheinwerferlicht gerückt.

Hinzu kommt, dass die Figuren zwar routiniert aufgebaut, aber doch eher eindimensional bis klischeehaft gezeichnet werden. Dies gilt insbesondere für die Hauptfigur, Show-Host Adam Rogers (Josh Duhamel, SCENIC ROUTE), dem das Drehbuch zwar zunächst einiges an Selbstreflexionsfähigkeit und charakterlicher Tiefe zugesteht, diese jedoch bald wieder auf schiere Oberfläche reduziert. Oder natürlich für Adams aalglatte Chefin (Famke Janssen), die von Anfang bis Ende wie eine reine Symbolfigur wirkt.

Immerhin aber sind sie durchweg souverän und glaubwürdig gespielt, vor allem auch die bedeutsame Nebenfigur des eisern den amerikanischen Traum verfolgenden Familienvaters Mason Washington: Giancarlo Esposito verleiht ihm eine enorme Ausstrahlung und es ist wie immer eine Freude, "Gustavo Fring" beim Spielen zuzusehen.

Dafür, dass es erst seine zweite Regiearbeit ist, macht Esposito auch hinter der Kamera seine Sache insgesamt erstaunlich gut. Unterhaltsamer und "schockierender" als etwa der ähnlich gelagerte LIVE! vom FFF 2007 ist THIS IS YOUR DEATH allemal, und den einen oder anderen könnte er glatt zum Nachdenken anregen. Und sei es nur darüber, den Reality-TV-Konsum einzuschränken. Für knappe 6 von 10 Punkten reicht das. Für mehr fehlt es an einer konsequenten Weiterentwicklung der Idee und teilweise auch, ja, an Bissigkeit, zudem bleiben die allermeisten Figuren zu flach.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

22.09.2017, 04:21



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