von Fans für Fans

Marlina the Murderer in Four Acts

Köpfchen muss man haben

von D.S.
MARLINA ist definitiv ein künstlerisch wertvoller Film, der sich stilistisch, ähnlich wie manche Tarantino-Werke, vor dem Western verneigt, seine Hommage jedoch mit fremdländischen kulturellen Einflüssen vermengt und daraus ein ganz eigenständiges Stück Erzählung schafft. In seinem Tonfall erinnert es mich ein wenig an eine seltsame Kreuzung aus dem Lakonie-Level früherer Jarmusch-Filme und der sarkastischen Skurrilität von Werken Emir Kusturicas – sowie einem gehörigen Maß südostasiatischer Wildheit. Die sich allerdings nur in der Nonchalance der physischen und psychischen Brutalitäten äußert, nicht etwa im Tempo.

Dieses ist nämlich über die gesamte Laufzeit hinweg äußerst niedrig gehalten; viele sehr lange Einstellungen sorgen in Verbindung mit epischen Landschaftsaufnahmen für ein fast schon meditatives Gefühl.

MARLINA verdient eine Sichtung mit viel Ruhe und Aufnahmebereitschaft. Beides war bei mir jedoch mitten im Festivaltrubel nicht (mehr) gegeben, weshalb ich mich auch nicht voll auf den Film einlassen konnte. Mir fehlten nach Akt 1, in dem die von sieben Gangstern bedrängte Marlina mit Bestimmtheit zeigt, wer in ihrem Haus die Hosen anhat, tatsächlich ein paar Höhepunkte – aber das will ich eher mir ankreiden als dem Film. Ich kann trotzdem nicht mehr als 6 von 10 Punkten vergeben. Wer bereit für seine langsame Erzählweise ist, wird ihn vermutlich besser bewerten.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

22.09.2017, 04:52



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