von Fans für Fans

Replace

Wer schön sein will, muss leiden lassen

von D.S.
Die junge Kira (Rebecca Forsythe, WE ARE YOUR FRIENDS) leidet an einer merkwürdigen Gedächtnisstörung – von einem Tag auf den nächsten kann sie sich an kaum Details erinnern, zudem tauchen immer wieder Bilder aus ihrer Vergangenheit wie kurze Fetzen vor ihren Augen auf. Noch viel dramatischer ist für sie aber ein körperliches Problem, das sie bald entdeckt: ihre Hautzellen altern rapide; beginnend mit einer kleinen trockenen Stelle an ihrer Hand dehnt sich die abgestorbene Haut rasant über immer größere Teile ihres Körpers aus. Ärzte können ihr nicht helfen. Aber durch Zufall entdeckt sie irgendwann eine ganz besondere Art von Kur... die blutige Konsequenzen hat.

Von seiner Story her fand ich REPLACE – einmal abgesehen vom fantasielosen Ende – durchaus interessant, auch wenn das Geschehen sich zwischenzeitlich gehörig zieht und repetitiv wird. Spannender als die Geschichte um Kiras Kampf gegen ihre Hauptprobleme war für mich jedoch der Mystery-Aspekt um ihren Erinnerungsverlust, der leider schnell nicht mehr im Fokus der Handlung stand. Auch liefert der deutsch-kanadische Body-Horror manche harte oder leicht eklige Szene und kann in dieser Hinsicht packen.

Als problematisch empfand ich jedoch die Vielzahl der stilistischen Mätzchen, an denen klar erkennbar wird, dass der Film mehr sein möchte als er ist. Ich glaube, "prätentiös" ist ein passender Begriff dafür. In seiner Story ist REPLACE ein B-Movie, in seinen Dialogen und den meisten Darstellern erst recht – aber er tut so, als wäre er ein Arthouse-Erlebnis auf der Stufe eines Refn, und dieser Gestus tut ihm nicht gut. Ein dunkler Raum mit langen Reihen symmetrisch angeordneter Neonröhren macht noch lange keinen NEON DEMON.

Die Kameraarbeit immerhin kann über weite Strecken überzeugen; sie findet immer wieder interessante Perspektiven und komponiert teils beeindruckende Bilder. Manchmal aber dominiert dagegen plötzlich ein eher schäbiger Videolook, und es gibt reihenweise unnötige Unschärfen im Bild zu begutachten. Schlicht furchtbar hingegen ist die Beleuchtung. Diversen Szenen mangelt es an ausreichend Licht und sie versinken in grauer Suppe; in anderen Szenen ist ein Teil des Bildes förmlich überbelichtet, während ein anderer Teil viel zu dunkel bleibt; mehrfach ist vorgeblich natürliches Tageslicht eindeutig als künstliches zu erkennen.

Noch bedenklicher waren für mich viele Darstellerleistungen. Während Miss Forsythe nett anzuschauen ist und zwar über nur mäßig viel Präsenz verfügt, aber zumindest nicht negativ auffällt, lässt sich das vor allem über Lucie Aron (KREUZWEG) leider nicht sagen, die Kiras Nachbarin und Love Interest Sophia mit grausamem Overacting spielt. Die klischeetriefenden, äußerst unechten Dialogtexte machen es ihnen aber auch nicht gerade leicht.

Das fragwürdige Frauenbild dieses "Frauenfilms", in dem tatsächlich fast überhaupt keine männlichen Darsteller auftauchen, wäre vielleicht noch eine eigene Diskussion wert. Vielleicht aber auch nicht, denn um mehr als einen sich selbst viel zu wichtig nehmenden, nur in Teilen funktionierenden Hochglanz-Trashfilm handelt es sich hier nicht. 4 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

22.09.2017, 06:00



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