von Fans für Fans

It

27 Years Later

von Alexander
Ich möchte den Rosebuddies aufrichtig dazu gratulieren, diesen Film quasi als gut funktionierendes "Zugpferd" für das diesjährige Fantasy Filmfest gewonnen zu haben. Das macht aus der Neuverfilmung von "IT" zwar noch keinen guten Film, trägt aber sicher dazu bei, uns Fans den Fortbestand des von uns so geliebten Festes auch in der Zukunft zu sichern. Denn am Ende des Tages geht es ja doch nur um Kohle und die dürfte "IT" auf die brutalmöglichste Weise auch eingespielt haben.

Habe ich jetzt Eure Aufmerksamkeit? Gut. Ich gehöre zu den Menschen die bereits vor 30 Jahren King-Romane verschlungen, und auch die TV-Produktion mehrfach konsumiert haben, und dies seinerzeit mit großem Genuss, da mir die Charakterzeichnung und Tiefe der Verfilmung, die den "Erwachsenen"-Teil mit einschließt, damals extrem gut gefallen haben. Special Effects & eine aufwendige Produktion waren für mich damals wie heute sekundär, solange die Story packend umgesetzt ist. D. h. das ich wie einige andere von Euch die Geschichte in- und auswendig kenne. Das macht mich zwar noch nicht zu einem willenlosen, unkritischen Jünger von Mr Stephen "The Master of Horror" King, aber sagen wir mal das ich "IT" seinerzeit wirklich sehr schätzte, und zwar besonders wegen der hochkomplexen Beschreibung der Charaktere und den beiden Zeitebenen halber. Leider fehlt in der Neuverfilmung aber gleich beides.

Nun wurde in den zahlreichen Reviews eigentlich schon alles nennenswerte über den Film gesagt, sowohl im positiven, als auch im kritischen Sinne. Es ist mir aber ein unbedingtes Bedürfnis, mit den überschwänglichen, ja nahezu euphorischen Lobeshymnen etwas aufzuräumen, die "IT" meiner Meinung einfach nicht verdient hat.

Denn objektiv betrachtet ist die Neuverfilmung reines Blendwerk und ganz im Sinne der meisten neuen, kommerziellen "Horror"-Filme des letzten Jahrzehnts, darauf gemünzt, eine möglichst breite Zahl von Besuchern anzusprechen. Ein Rezensent schrieb, dass der Film gerade NICHT nur die Dollars im Auge hätte und sich deshalb nur auf den Teil mit den Kindern beschränkt habe. Dem möchte ich doch mal widersprechen. Lässt sich mit ZWEI Filmen denn nicht mehr Kasse machen, als mit nur EINEM?

Warum mag ich "IT" also nicht? Ganz einfach: Weder sind, bis auf 2 oder 3 Ausnahmen, die Charaktere besonders fein gezeichnet (einigen Jungs geht in der Neuverfilmung fast die gesamte Charakterisierung und der Eltern-Hintergrund ab, was angesichts der relativ langen Laufzeit und der Chance, die man hier vertan hat, unverzeihlich ist) noch bemüht sich Regisseur Muschietti sehr darum, eine der Romanvorlage unbedingt geschuldete, nachhaltige, düstere Atmosphäre aufzubauen, die meiner Meinung sogar in der TV-Produktion zu spüren ist. Abgesehen von der Eröffnungsszene und bei einigen wenigen der zahlreichen Clownszenen, schaffte es "IT" für mich einfach nicht, gruselig zu sein. Wirklich Angst hatte ich bei keiner einzigen Szene.

Die gezeigten Setdesigns entsprechen dem heutigen Mindestmaß bei Filmen solcher Art, sollten bei entsprechender Budgetierung ohnehin zu erwarten sein, und sind kaum nachhaltig beeindruckend, vermögen bei Newcomern des Genres aber über mangelnde Tiefenzeichnung hinwegtäuschen. Der bemühte 80er Jahre Indie-Soundtrack lässt Kennern dieser Musik die sehr viel passenderen Titel eingespielter Interpreten schmerzlich vermissen, und die im Kern besten Szenen der "Loser"-Gang finden sich bereits in der Erstverfilmung auf fast gleichem Niveau, zugegebenermaßen mit etwas eindimensionaleren Bildern, aber nichtsdestotrotz nicht weiter von der Vorlage entfernt als der Neuaufguss.

Was den Film nun wirklich von seinem Vorgänger abhebt sind, neben der sichtbar teureren Produktion, die unzähligen "Jump Scares", die mir nach einer Weile nicht nur wegen des dabei unterlegten Kawumm-Sounddesigns tierisch auf die Nerven gingen. Denn JA, der Film ist laut. SEHR laut. Wahrscheinlich wirkt auf die komplett schmerzfreie, abgehärtete Jugend von heute nichts anderes mehr, und das ist ja immerhin die wichtigste Zielgruppe für solche Filme. Sei's drum.

Es ist dann aber genau diese repetitive Aneinanderreihung des eigentlich immer selben Effektes, der sich nur durch Kulisse und Kostüm zu unterscheiden vermag, der mir an "IT" besonders auf die Nerven ging. BUMM! KAWUMM! "Hast Du Dich jetzt endlich erschreckt ?" Nein Herr Muschietti, das habe ich nicht. Kein einziges Mal, dafür war die von Ihnen inszenierte Umsetzung der "Scares" viel zu vorhersehbar und generisch. Merke: Zuviel Lärm tötet JEDE Stimmung.

Was bleibt ist die Story, aber die konnte Muschietti ja kaum versauen, denn glücklicherweise stammt sie nicht von ihm. Aus reiner Melancholie, wegen der "Werk"-getreuen Umsetzung in den wenigen Szenen der fiesen Erwachsenen, einiger schönen Szenen des Clubs der Loser wegen (Das "Stand By Me"-like "Summer-Feeling" war wirklich nicht schlecht in Szene gesetzt) und weil ich "IT" damals wirklich geliebt habe, gebe ich ein paar Gnadenpunkte. Niemals verzeihen werde ich dem Regisseur und den Produzenten jedoch, dass sie aus "meinem" King-Meisterwerk einen gewöhnlichen Teenie-Horror für die ahnungslose Generation Raute gemacht haben.

Ihr lest immer noch? Danke. Es hätte vielleicht gereicht, wenn ich mich mit einem kurzen Satz einfach den Reviews von "Huan Vu" und "Umelbumel" angeschlossen hätte. Aber man möchte sich ja einbringen. ;-)

Tja, das war ES dann wohl. Jetzt muss ich wohl erneut 27 Jahre auf eine neue, vielleicht bessere Verfilmung meines Lieblings-King-Romans warten. Vielleicht dann mit der Besetzung der Erwachsenen durch die Darsteller der Kinder? Wer weiß.
Alexander

22.09.2017, 17:40



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