von Fans für Fans

It Comes at Night

Der Triumph des Todes

von Frank
IT COMES AT NIGHT ist ein atmosphärischer Vertreter der ruhigen, Kammerspielartig erzählten Endzeit-Wald-Horror-Dramen, von denen wir im letzten Jahr einige ähnlich gelagerte sehen konnten.

Als Zuflucht vor einem Virus, das die Menschheit nach und nach dezimiert, verbarrikadiert sich eine kleine Familie mit Hund in einem Haus im Wald und führt dort ein abgeschottetes, autarkes Leben. Vom Setting her ist dieser Film dabei noch enger gefasst als z. B. HERE ALONE.

Die Kamera unterstützt das Szenario, indem sie die Shots weitgehend auf Nahaufnahmen der Familie und Close-ups der Gesichter ausrichtet sowie auf das kleine Waldstück begrenzt. Und natürlich (gefühlt ein bisschen zu oft) auf den engen Flur mit der roten Tür. Ein Großteil des Films spielt weitgehend bei spärlichem Licht fast im Dunkeln. Ein Umstand, der mir allgemein nicht so zusagt. Setting, Kamera und der perkussiv treibende und gleichermaßen prägende wie Akzente setzende Score bilden ein gut harmonierendes Trio.

IT COMES AT NIGHT behandelt Verhaltensmuster, Aspekte und Themen wie Vertrauen und Misstrauen, Angst, Überlebensinstinkt, Nächstenliebe und Familie. Dabei zieht sich die Eigenschaft zu misstrauen motivisch durch den gesamten Film.
Die lang anhaltende Situation der Isolation, Angst (um seine Familie), die ständige Notwendigkeit Vorsicht walten zu lassen und zu misstrauen, hat den Vater im Laufe der Zeit paranoid werden lassen. Doch kompensiert er seinen inneren Wahn mit Vorsichtsmaßnahmen und Kontrollmechanismen, um sich seine Menschlichkeit zu bewahren. Dieses innere Ringen setzt in der Figur eine Spannung in Gang, die neben der Ka­me­ra­ar­beit, der speziellen Figurenkonstellation und dem Score für die dichte, beklemmende Atmosphäre sorgt. So sehr ich das alles verstehe, hat der Film es nicht erreicht das ich in Will, dem Familienvater, geschweige denn in einem der anderen Protagonisten eine Identifikationsfigur gefunden habe.

Die Story von IT COMES AT NIGHT ist dabei denkbar einfach und nicht gerade originell: Virus dezimiert Menschheit, ein paar wenige kämpfen in Abgeschiedenheit ums Überleben mit all den damit verbundenen Problemen. Hatten wir schon oft auf dem FFF. IT COMES AT NIGHT findet einen eigenen, wenn auch nicht vollkommen neuen Weg seine Geschichte zu erzählen. Ein schockierendes Ereignis ordnet ihn in letzter Konsequenz auch in die Filme der (wenn auch weniger heftigen) Downer ein und es kann sein, dass er diesbezüglich ein bisschen Nachwirkung zeigt.

IT COMES AT NIGHT ist ein guter, empfehlenswerter Film geworden, der mich leider trotz stark verdichteter und beklemmender Atmosphäre (oder gerade deswegen?) und (oft unterschwelliger) Spannung nicht konsequent vereinnahmen konnte und nicht richtig gepackt hat. Vor Allem weil ich auf dem diesjährigem FFF empfänglicher für weite, offene Filme bin. Aber auch weil echte Identifikationsfiguren fehlten, mir Storytechnisch zu viele Details vage im Raum standen und gerade seine Schlussphase verwirrend auf mich wirkte bzw. zu viele offene Fragen hinterlassen hat (Die Träume?). Das letzte Jahr hat uns außerdem mit diesem Subgenre schon ganz gut versorgt. Hinzu kommt, dass der Film fast nur bei sparsamsten Licht spielt und mich die deutschen Untertitel gestört haben, die mir für diesen Film einfach zu aufdringlich waren. Dicke 6,5 Punkte, die 7 verfehlt er nur knapp.

Auf der Suche nach dem Namen für das Gemälde aus dem Film habe ich übrigens herausgefunden, dass das Bild das Motiv "The Triumph of Death" - "Der Triumph des Todes" von Pieter Bruegel aus dem Jahre 1562 zeigt. Es ist nicht von Hieronymus Bosch! Dieser war allerdings Bruegel's großes Vorbild wie man Wikipedia entnehmen kann.
Frank
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

22.09.2017, 18:40



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