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Vidar the Vampire

Vampirsein ist kein Kinderspiel

von Leimbacher-Mario
All Hail Thomas Aske Berg, der bei dieser bissigen Vampirkomödie aus Norwegen als Ein-Mann-Armee sein Herzensprojekt vorantrieb. Regisseur, Schreiber, Cutter, Vidar selbst, Macher, Allzweckwaffe - das ist seine Vision und die gefällt mir! Kritik an religiösem Fanatismus plus freche Lacher plus ehrliche Figuren plus X. Nordisch, schonungslos, politisch/religiös wunderbar unkorrekt. Eine Komödie, die im Genre funktioniert und zudem wirklich mal etwas zu sagen hat. Ob man mit dem konform geht ist eine andere Sache. Doch man muss Respekt zollen. Es geht um den unglücklichen norwegischen Farmer Vidar, der in seinen 30ern ist, noch bei Mama wohnt und mit seinem Leben alles andere als zufrieden ist. Doch dann kommt Jesus der Erlöser mit langen Schneidezähnen, der ihn in einen Blutsauger verwandelt, geheime Wünsche erfüllt und den guten Vidar zu eher jesusuntypischen Dingen anstiftet... die Befreiung für den verwirrten Mitdreißiger als Neuvampir?

"VampyrVidar" hat zwei Seiten und beide haben bei mir funktioniert. Die ernste, kritische vielleicht sogar noch etwas mehr. Er ist kein neuer "What We Do in the Shadows", aber mit seinem eistrockenen, perfekt getimeten, nordischen Humor, einem liebenswerten Vidar und blutiger Political Uncorrectness, kann diese melancholische Sause bei mir punkten. Explizit wenn er es sein muss, sowohl was nackte Haut und Körpersäfte angeht wie bei seiner nicht falsch deutbaren Message. Ich habe keine Ahnung was die Kirche bzw. das Christentum dem Regisseur und Tausendsassa angetan hat, jedoch kann es nichts Gutes gewesen sein. Und diese Ohrfeige und Rache sitzt. Ein Genremix, der tiefer geht als er jedes Recht hatte. Und damit meine ich nicht Vidars Beißer, die sich in weibliche Schambereiche bohren. Eher sein persönlicher Werdegang, seine Suche nach dem Glück, sein Hass auf den Glauben und seine grundehrliche Haut. Da bekommt man selbst etwas Wut auf Jesus Christ Vampirestar. Nur das Ende ist wenig befriedigend, wie ein Spaziergang eines Vampirs bei strahlendem Sonnenschein.

Fazit: Wundervolle Blasphemie - blutig, frech, mutig. Ein sympathisch-andersartiger kleiner Vampirgrinser, der etwas zu sagen hat. Kontrovers und mit Eiern mit Reißzähnen. Das mag die Kirche nicht, ich dagegen umso mehr. Und dazu muss man kein Atheist sein!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

23.09.2017, 02:23



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