von Fans für Fans

Trench 11

Im Westen nichts Neues

von D.S.
Die alliierten Kräfte entdecken kurz vor dem Ende des Ersten Weltkriegs ein paar Kilometer hinter der Front eine gewaltige Bunkeranlage der Deutschen. Aus Sorge, dass dort etwas potentiell Kriegsentscheidendes vor sich geht, beschließen sie, eine siebenköpfige Spezialeinheit aus Engländern, US-Amerikanern sowie einem kanadischen Tunnelbauer tief unter die Erde zu schicken, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Im Eingangsbereich zu einem weitverzweigten Tunnelsystem stoßen sie auf einen halbtoten deutschen Soldaten, der sie verzweifelt warnt, die verrammelte Tür hinter ihm zu öffnen. Aber natürlich wollen sie nicht hören. Und wie das nun mal so ist: Wer nicht hören will, muss fühlen...

TRENCH 11 ist ein klassischer Grusler im klaustrophobisch angehauchten Setting, aus dem allerdings viel zu wenig herausgeholt wird: Die endlosen Gänge sind hier alle bestens ausgeleuchtet, ein Gefühl der Beklemmung ob des unter der Erde Eingeschlossenseins kann sich beim Betrachter aber auch deshalb kaum entwickeln, da der Film mehr Wert auf Konfrontationen mit dem mal menschlichen, mal monströsen Feind legt als auf Atmosphäre. Immerhin gelingt es ihm so, nie zu langweilen – und das ist angesichts der dünnen Handlung gar keine so schlechte Leistung.

Diese dreht sich letztlich vor allem um die altbekannte Trope des verrückten Wissenschaftlers, der seine größenwahnsinnigen Ziele ohne Skrupel sowie ohne Loyalität zu irgendwem außer sich selbst verfolgt. Dieser wird von einem leicht überchargierenden Robert Stadlober gespielt, dessen Ausdrucksweise leider so gar nicht zu 1918 passen will.

Kennt man einen Film mit einem solchen Charakter – und sei es nur CAPTAIN AMERICA, an dessen "Red Skull" Stadlobers Figur des Reiner mitunter stark erinnert –, kennt man vermutlich so gut wie alle, und deshalb kann einen die Story-Entwicklung von TRENCH 11 auch weder überraschen noch sonderlich mitreißen. Erstaunlicher ist da schon die Tiefe, die der Film einigen Aussagen über den Wert des Krieges, über das Konzept von Freund und Feind, von Schuld und Verantwortung angedeihen lässt, die in Dialogen gemacht werden. Es ist hier eben NICHT so, dass "die Deutschen" (die übrigens von Yazid Benfeghoul gecastet wurden!) die klischeehaft Bösen sind; der einzige derart überzeichnete Charakter ist der von Stadlober – und dieser äußert sich mehrfach explizit despektierlich über seine Vorgesetzten und "die Deutschen", ist also eher als "Abtrünniger" zu betrachten. Bin mir diesbezüglich nicht sicher, ob mein Vor-Reviewer Roughale tatsächlich denselben Film gesehen hat wie ich ;)

Zusammengefasst ist TRENCH 11 ein mustergültig durchschnittlicher Film, der durch minderwertiges Setdesign, uninspirierte Kameraarbeit und viele kaum entwickelte, kaum bedeutsame Figuren einiges von seinem Potential verschenkt. Halbwegs unterhaltsam ist er aber allemal, wofür nicht zuletzt die gelungenen, mitunter sehr saftigen Make-up- und visuellen Effekte sorgen – hier wird mitunter ordentlich gesplattert, wenn auch zu selten. Auch das Sounddesign weiß zu überzeugen. Insofern: 5 von 10 Punkten, kann man sich bei Vorlieben fürs Genre oder das Bunker-Setting durchaus geben. Wenn man nicht zu viel erwartet. Jedenfalls hundertmal gelungener als ein DEATHWATCH oder THE BUNKER!
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

23.09.2017, 03:09



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