von Fans für Fans

Hounds of Love

Grauen hinter geschlossenen Türen

von Leimbacher-Mario
"Hounds of Love" ist Torture Porn ohne Porn. Ein grauenhaft-guter Film. Ein Meisterwerk der Kidnap-Movies. Dagegen können "Chained", "Mum & Dad", "Megan is Missing" oder "Berlin Syndrome" einpacken und dieser Australien-Thriller vereint all deren Stärken, nahezu ohne deren Schwächen. Okay, den schwarzen Humor aus "Mum & Dad" nicht. Doch beim Rest ist dies das letzte Wort. Ein humorloses Brett, dass meinen Hals zusammenzieht und meine Finger zucken lässt. Fast fehlen mir die Worte. Routiniert, beiläufig und völlig gestört wird hier ein jugendliches Mädchen von einem älteren Ehepaar entführt und in ihrer Wohnung angekettet und festgehalten, missbraucht und geschunden. Harter Tobak, eigentlich auch nichts Neues oder sonderlich kreatives. Doch wie hier alles zusammenkommt - Style, Inhalt, Schauspiel, Emotionen, Realismus, Boshaftigkeit - macht diese Hunde der Liebe zu einem der Schocker des Jahres. Und das fast ausschließlich in unseren Köpfen, da die Schandtaten so gut wie nie gezeigt werden. Hier zeigen geschlossene Türen, zerstörte Blicke und blaue Flecken das greifbar Böse. Oh, und die Schreie. Diese Schreie... Ein paar davon werden mich wohl noch lange begleiten...

"Hounds of Love" ist Horror in seiner realistischsten, greifbarsten und nebensächlichsten Form. Die Nachbarschaft wird zur Hölle, Nachbarn zu Monstern, Ungewissheit zu Schmerzen, Sekunden zu Ewigkeiten. Selten fühlte sich ein so stärker Film so quälend lang an. Selten war ein so stilistisch wunderschöner Film so schwer anzusehen. Selten war so handverlesen gute Musik so qualvoll richtend. Regisseur Ben Young atmet nicht nur Film, sondern sicher auch Musik. Was für eine Atmosphäre, was für ein Soundtrack, was für ein Killercouple. Das Entführerpärchen steht hier klar im Vordergrund und ihre gestörte Beziehung und Welt verstört uns Zuschauer zunehmend. Erst recht bei solchen Performances. Glaubhafte Monster mit Hintergründen. Sagenhaft. Ich kann mich nur wiederholen: das Ding ist intensiv, fies, stylisch. Und könnte genau so passieren. Bei dir um die Ecke. Das ist der wahre Horror. Keine fliegenden Eingeweide, keine Geister, Monster oder unsterbliche Killer in deinen Träumen. "Hounds of Love" wird dich verfolgen, packen, nicht mehr loslassen. Tut weh!

Fazit: Was für ein Brett. Realistischer & bitterböser Aussie-Schocker, der eine Art "Wolf Creek" für Torture-/Kidnap-Filme werden könnte. Abscheulich, intensiv, unvergesslich. Mit einem Killersoundtrack. Und einem Killerpaar für die Annalen. Muss man sehen. Aber auf eigene Gefahr. Zeigt so gut wie nichts und ist trotzdem hart zu schlucken.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

24.09.2017, 03:08



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