von Fans für Fans

Playground

Harte Kost

von D.S.
Der ausnehmend spröde inszenierte PLAYGROUND erzählt die schockierende Geschichte des Mordes an James Bulger – verlegt sie jedoch vom Liverpool des Jahres 1993 in eine namenlose polnische Kleinstadt der Jetztzeit. Und lässt der Story diverse weitere Änderungen zuteil werden. Die sie in dieser filmischen Version ein ganzes Stück harmloser erscheinen lassen, als es in der Realität der Fall war. Ja, harmloser. Was kaum zu glauben ist, wenn man das Finale von PLAYGROUND hinter sich gebracht hat. Denn dieses ist ein brutaler Tritt in die Magengrube; für manche Zuschauer bestimmt schwer verkraftbar und verstörender als das meiste, das jemals auf dem FFF zu sehen war.

Seine schmerzhafte Kraft bezieht der Film dabei jedoch direkt aus seiner realen Vorlage – indem er sein Geschehen genau so inszeniert, wie es stattgefunden hat. Als trostlos tristen Alltag zweier soziopathisch veranlagter kleiner Jungs mit familiären Problemen, der wie aus dem Nichts in etwas unfassbar Grausames umschlägt. PLAYGROUND ist eine in mehrere Akte unterteilte, ansonsten aber äußerst unfilmisch gehaltene und nüchtern, fast dokumentarisch wirkende Milieustudie, die den Betrachter auf Abstand hält und in seinem letzten Akt die Distanz sogar noch – buchstäblich – erhöht. Was 1993 in Liverpool geschehen ist, war für die Öffentlichkeit schier unerklärlich. Und der Film konfrontiert uns mit eben diesem Unerklärlichen, wie es sich für den außenstehenden Beobachter dargestellt hat. Antworten, Erklärungen, Verständnis...? Wer etwas davon finden will, muss einiges an eigener Arbeit leisten. Auch, wenn der Film uns Hilfestellungen gibt, indem er Einblicke in das kaputte Familienleben und das gestörte Sozialverhalten der beiden Protagonisten gewährt.

PLAYGROUND ist alles andere als ein einfacher, zugänglicher oder gar unterhaltsamer Film. Ich persönlich muss ihn auch nicht so dringend noch einmal sehen. Und es ist verständlich, dass er bei einem Großteil des FFF-Publikums auf Unverständnis oder Ablehnung trifft. Denn er vermittelt das Grauen seiner Geschichte eben auf äußerst unspektakuläre Art; zeigt hauptsächlich Dinge, die oberflächlich sehr "normal" scheinen. Wodurch das Finale einen noch sprachloser macht. Was manchem jedoch als zu radikaler Bruch erscheinen mag, dessen Sinnhaftigkeit sich nicht sofort erschließt.

Aber die Realität dieses Falles hatte nun mal keine Sinnhaftigkeit. Sie geschah, unüberbietbar grausam. Was dieser Film nachvollziehbar macht. Oder auch nicht. Er hinterlässt den Betrachter jedenfalls annähernd so sprachlos wie seine wahre Vorlage.

Wer auf Tempo, "Action" oder dramatische Höhepunkte aus ist, sollte PLAYGROUND wohl besser auslassen. Er hat nichts davon zu bieten. Er zeigt Alltag, der in ECHTEN Horror umkippt. Ohne offensichtliche Begründung. Ohne Ausgleich. Ohne dramaturgisch verbrämte Verharmlosung. Wer das verkraften kann, darf diesen Film nicht verpassen.

Eigentlich nicht zu bewerten. Der Statistik halber vergebe ich 7/10.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

24.09.2017, 04:14



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