von Fans für Fans

Bitch

Bellende Frauen beißen nicht

von Leimbacher-Mario
Männer hören nicht mehr zu. Frauen werden allein gelassen. Ehen stumpfen ab. Kapitalismus entfremdet. Die natürliche Ordnung ist gestört. Back to Basic. Männer sind sozial und familiär unfähig und faul geworden.

Alles keine neuen Aussagen. Umstrittene, übertriebene & sicher etwas polarisierende Messages. Aber "Bitch" trifft sie auf den Punkt & regt Diskussionen, Gedanken an. Ein feministischer Film, definitiv mit Daseinsberechtigung. Doch ob man das über 90 Minuten braucht? Darüber lässt sich streiten. Meiner Meinung nach hätten sowohl Idee als auch Aussagen prägnanter in einem Kurzfilm untergebracht werden können. Gut ist dieses vor die Hunde gegangene Drama trotzdem. Nur bitte keine Komödie erwarten. Achja, die Story: Mann vernachlässigt Frau, Frau benimmt sich wie ein Hund, man bleibt total überfordert mit den vier Kindern zurück und hat eine wildgewordene "Hündin" im Keller... der tägliche Fantasy-Filmfest-Wahnsinn eben.

Erstmal credit where Credit due: Marianna Palka ist als Regisseurin wie Hündin ganz große Klasse. Sie steht in beiden Dingen nicht im Mittelpunkt, ist jedoch treibende Kraft. Die Kinder der Familie vor tierischen Herausforderungen, sind süß und nie nervig, der Vater und die "Musikuntermalung" dagegen umso mehr. Ersterer muss so, um eine heftige Entwicklung & einen sehenswerten Reifungs- und Lernprozess durchzumachen und die Aussage zu verdeutlichen. Letzteres verstärkt dessen Panik und ist sehr experimentell geraten.

"Bitch" ist nicht unbedingt ein Kompliment für die Männer von heute, um es mal zurückhaltend zu formulieren. Ob es wirklich so schlimm um uns Dreibeiner steht, wage ich zu bezweifeln, nähern sich die Rollen in Familie, Beruf und Gesellschaft doch immer näher an. Der karrieregeile, fremdgehende, sozial inkompetente und familiär blinde Mann im Film ist da doch eher die extreme Ausnahme. Doch Übertreiben gehört halt zum Filmbusiness. Sonst wär's halb so spaßig. Und in Ansätzen sieht man es wohl selbst, wenn man nach Jahren Beziehung nicht mehr immer jedem Satz des anderen haargenau zuhört oder manches zu Routine geworden ist. Zu all solchen, jedem bekannten Problemen menschlicher Beziehungen, geht Palkas Genremix zwei Schritte weiter.

Fazit: Anklage, Hilfeschrei, Hoffnungsschimmer - wütend auf den modernen Mann, die außer Kontrolle geratene Gesellschaft, auf sich allein gestellte Frauen. Eher wichtig als witzig. Als Kurzfilm vielleicht prägnanter gewesen.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

25.09.2017, 02:15



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