von Fans für Fans

Sicilian Ghost Story

Eine zarte Kostbarkeit

von Leimbacher-Mario
"Sicilian Ghost Story" ist das Centerpiece, das Herzstück des diesjährigen Fantasy Filmfests. Und was für ein romantisches, trauriges, delikates Herzstück! Als Halbsizilianer natürlich noch etwas berührender als ohnehin schon. Es geht um ein junges Mädchen auf Sizilien, das sich in einen Jungen verliebt hat und diesem folgt. Eines Tages verschwindet er von einen auf den anderen Moment und das Mädchen steht vor einem Rätsel der verlorenen jungen Liebe, Kindheit, Unschuld. Basierend auf einem echten Fall von vor knapp 25 Jahren, ist dieses sizilianische Geschichte mit wenig zu vergleichen. Selbst mit "Pan's Labyrinth" kaum. Krimi, Liebesstory, Geistergeschichte, Coming-of-Age-Gedicht - eine zerbrechliche, anspruchsvolle Mischung, die tief unter die Haut gehen kann. Man muss sich nur darauf einlassen und etwas einlullen lassen...

Eine kleine Straffung hätte dieser wichtigen italienischen Vergangenheitsbewältigung gut getan. Der Rest ist ein lyrischer Hauch aus Tränen, Hoffnung und Liebe. Zwischendurch wäre fast eine Träne gekullert. Dieses besondere Werk hätte es verdient gehabt. Traum und Realität, Geist und Körper, Natur und Mensch, das Böse und das Gute - alles läuft ineinander. Übergangslos und traumhaft in jedem Sinn des Wortes. Mal enttäuschend, mal beglückend, immer überraschend. Wenn man ihn an sich heranlässt, dann wird man ihn vielleicht nie mehr los. Dass solche Fälle in Italien sicher nicht nur einmal vorkamen und noch immer fast Alltag sind, macht den Brocken nur umso dicker. Die junge Protagonistin spielt die kämpfende Liebende herausragend, Sizilien ist eines der schönsten Settings, die man in Europa finden kann, audiovisuell feinste Kunst. Doch der Gesamteindruck zählt - und dieser ist größer als seine einzelnen Teile. Wenn dieses Jahr ein noch besserer italienischer Film erscheint, soll man mir bitte Bescheid geben. Vorstellen kann ich mir dies allerdings nicht. "Sicilian Ghost Story" ist flüchtig wie Nebel über einem See im Frühling, süß wie der erste schüchterne Kuss zweier Gerade-noch-Kinder, hart wie das mafiöse Gift im Rückgrat dieses wunderschönen Landes.

Fazit: die Schattenseiten Siziliens. Wunderschön, traurig, traumhaft. Realität und Fantasie verschmelzen. Die Mafia tötet Italiens Kindheit. Ein paar Minuten kürzer und vielleicht etwas mehr "Ghost", dann wäre hier ein einfühlsames Meisterwerk drin gewesen.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

25.09.2017, 03:51



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