von Fans für Fans

Replace

Geh zum Hautartzt, Mädchen!

von Leimbacher-Mario
In "Replace" kriegt eine attraktive junge Frau auf einmal sich ausbreitende Trockenheitsexzeme auf dem ganzen Körper - gut, dass neue, fremde Haut so leicht zu beschaffen ist. Wenn man zur Sorte Serienkillerin gehört... In dieser sexy Bodyhorrorvision, eine kanadisch-deutsche Koproduktion, geht definitiv Style over Substance. Aber aus seinen Möglichkeiten macht dieser kleine Exzess durchaus viel. Er sieht teurer und schöner aus, als er jedes Recht hätte. Die Effekte sind eklig genug. Barbara Crampton als verrückte Wissenschaftlerin ist ein Highlight. Die Mädels sind sexy und mutig. Und die Bilder und Sounds ergeben einen hypnotischen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann oder will. Und trotzdem geht dem Bilderrausch irgendwann die Luft aus, er hetzt sich durch sein letztes Drittel und die Dialoge werden auch nicht schlauer mit Voranschreiten der Laufzeit...

"Replace" ist kein Film, den ich ersetzen will. Dazu waren die Ansätze an allen Ecken und Enden zu fein, zu sehenswert, zu luxuriös trashig. Leider schreckt er dann aber doch vor wahrer Größe zurück. Die Auflösung bleibt halbgar und überhastet, der Stil ist begabt, aber doch arg abgeschaut. Letzteres hat mich hier aber wenig gestört. Nett anzusehen und zu entwirren ist das Ganze ohne Zweifel. Zudem eine schicke Kritik am Schönheits- und Jugendwahn. Weitere Pluspunkte sammelt Norbert Keils Ideensammelsurium mit einem klassisch-orchestralen Soundtrack, der wunderbar oldschool daherkommt und unsere sich häutende Protagonistin fast wie die Cousine der Kreatur aus dem Sumpf erscheinen lässt. Audiovisuell schießt man hier aus allen Rohren, was die zeitlich unklare Verortung und Verwirrung der Hauptfigur nur noch fühlbarer macht. Ein Trip-Tipp für uns Genrefreunde!

Fazit: Ein Film wie Hornhaut am Finger. Kommt man mit klar, kann man mit leben. Refn küsst Cronenberg als hypnotisch-bemühte Low-Budget-Männerfantasie. Nur gegen Ende ging wohl die Inspiration aus.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

26.09.2017, 02:11



Weitere Informationen (externe Links):