von Fans für Fans

Rendel

Helden aus der dritten Reihe

von D.S.
Habe eine Weile überlegt, ob ich überhaupt etwas zu RENDEL sagen soll – denn ich habe mich der größten FFF-Sünde überhaupt schuldig gemacht und die ersten 30 Minuten dieses 13-Uhr-Slots am letzten Festivaltag zu Hause im Bettchen verschlafen.

Erstaunlicherweise war das für das Verfolgen der Story aber nicht kriegsentscheidend: diese wird nicht linear erzählt, sondern wechselt zwischen der Gegenwart mit Rendel als Rächer und der Vergangenheit mit Ramö (Kristofer Gummerus, THICKER THAN WATER) als Normalo, der erst noch zu Rendel als Rächer werden muss, hin und her. Dabei treibt der Film seine beiden Zeitebenen chronologisch voran – ungefähr zur Mitte der Laufzeit erleben wir Ramös Verwandlung in Rendel, haben ihn davor aber bereits mehrfach als Schurkenverklopper in Aktion erlebt.

Als solcher kann er zwar im Wesentlichen durchaus überzeugen. Kostüm und Auftritt wirken spaßbefreit düster: Rendel macht keine Gefangenen und geht mitunter erfrischend herzhaft zur Sache. Seine Zeichnung als Zivilist verbleibt allerdings recht eindimensional und klischeehaft, eine zum Mitleiden einladende Tragik seiner Figur wird deshalb nicht ausreichend aufgebaut – und sein späteres Aufräumen unter den noch klischeehafteren Bösewichten kann dementsprechend auch niemals so mitreißen, wie es nötig gewesen wäre. Stattdessen verfällt es in seiner Wirkung weitgehend in das Verprügeln konturloser Statisten durch einen konturlosen "Guten": Schauwerte gibt es zwar durchaus, emotionales Involvement aber nicht.

Das ist schade, denn zumindest eine Handvoll der Schurken hat eindeutig Potential für mehr. Es handelt sich dabei um eine Ansammlung von Superkriminellen unter der Führung des Psychopathen Radek (sehr cool: Johnny Vivash, THE CREATURE BELOW), die mit einigem Aufwand eingeführt werden – deren jeweiliger Abgang jedoch maximal unspektakulär vonstatten geht. Na gut, mit Ausnahme von ebenjenem Radek, der immerhin eine ausnehmend deftige, lustige Finalszene beschert bekommt.

Radek ist allerdings auch eine der wenigen Figuren des Films, die von einem Schauspieler mit echter Präsenz verkörpert wird. Die meisten Darsteller in RENDEL wirken dagegen eher wie Amateure – und eine entsprechende Ausstrahlung hat leider auch der Film als Ganzes, seinen großenteils gelungenen Effekten zum Trotz. Dafür verantwortlich ist neben den schauspielerischen Leistungen zum einen das Setdesign: Wir bewegen uns hier vorrangig in einer verlassenen Fabrikhalle, und so sieht das Ganze dann eben auch aus. Realistisch, in diesem Zusammenhang nicht im besten Sinne. Zum anderen sind da echte Schwächen im Editing zu nennen: Viele Szenen dauern den entscheidenden Augenblick zu lang; es wird nicht dramaturgisch optimal umgeschnitten; phasenweise führt das zu lange Verweilen auf einer Figur ohne weitere Funktion fast zu einem Gefühl des Fremdschämens, wie es sonst eher bei Trash-Filmen auftritt.

Zusammengefasst hat RENDEL auf der Storyebene vor allem "more of the same" zu bieten: Ein unbescholtener Bürger, dem böse Ungerechtigkeit geschieht und der sich darob in einen Rächer verwandelt, der die Verantwortlichen zahlen lässt. Zwar ohne echte Superkräfte, dafür aber mit einer echten Superrüstung ausgestattet: BATMAN lässt grüßen. Entsprechend sind auch die Bösewichte maximal eindimensional, nun ja, böse gezeichnet. Wobei es, genregerecht, hinter dem offensichtlichen Schurken immer noch einen superschurkigeren Superschurken gibt. Visuell gibt es eine zwar eindrucksvolle Heldenpräsentation, die am ehesten einer Kreuzung aus dem PUNISHER und dem Fledermausmann nahekommt.

Vom teils trashigen Look und der Amateurhaftigkeit einiger Darsteller sowie insbesondere des Schnitts einmal abgesehen, ist das Ganze für Hardcore-Fans von ordentlich brutal vorgehenden Independent-Superhelden zwar vielleicht einen Blick wert. Für alle anderen gibt es aber zu wenig Originelles, Tiefgehendes oder Beeindruckendes, das den Film über den Durchschnitt hinausheben würde. Folgerichtig nur 5 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

26.09.2017, 01:17



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