von Fans für Fans

Hounds of Love

Der Horror nebenan

von D.S.
Wer glaubt, schon alle denkbaren Varianten von Filmen über Serienmörder, Kidnapper, sexuell motivierte Folterer gesehen zu haben, der hat HOUNDS OF LOVE noch nicht gesehen. Dieser australische Debüt(!)-Langfilm vereint inhaltlichen echten Horror mit stilistischer Brillanz, einen erzählerischen Realismus mit äußerster filmischer Fingerfertigkeit, die sich nicht zuletzt in einem häufig sehr intelligent kommentierenden Soundtrack und dem mehrfachen Einsatz atemberaubend ästhetischer Ultra-Slo-Mo-Sequenzen manifestiert.

Auch in der Wahl seines Story-Setups geht der Film vergleichsweise ungewöhnliche Wege. Hier geht es nicht um einen einzelnen, brutalen Täter: Hauptfigur Vicki Maloney (Ashleigh Cummings (TOMORROW, WHEN THE WAR BEGAN) fällt in die Hände eines moralisch degenerierten, dabei nach außen aber erstaunlich normal und beizeiten gar charmant wirkenden Pärchens – gespielt von Stephen Curry (ROGUE) als pathologisch aggressiver Loser John White und Emma Booth (GODS OF EGYPT) als seine Frau Evelyn, die seit ihrem 13. Lebensjahr mit ihm zusammen ist, an schwersten Minderwertigkeitskomplexen leidet und sich deshalb von ihm in jeder Hinsicht ge- und missbrauchen lässt.

In dieser Etablierung eines Pärchens als Antagonisten und insbesondere in seiner Zeichnung ihrer Charaktere ist HOUNDS OF LOVE deshalb vermutlich von realen Fällen wie dem von Karla Homolka und Paul Bernardo inspiriert, deren – wie die Filmhandlung – im Jahre 1987 beginnende Geschichte beim FFF 2006 im Film KARLA auf der Leinwand zu sehen war. Aus Deutschland fällt einem da als Bezugspunkt das Geschehen um das "Horrorhaus" in Höxter ein. Wie dem auch sei: Die Figurenkonstellation eröffnet HOUNDS OF LOVE eine zweite Ebene neben der Handlung um das Entführungsopfer und sein Schicksal, die sich um die Dynamiken einer krankhaften Beziehung zwischen Angst, Affirmation, Hörigkeit und Manipulation dreht. Diese werden äußerst glaub- und schmerzhaft dargeboten und tragen so ihren Teil dazu bei, den Betrachter immer tiefer in die finstere Welt der Täter hineinzuziehen, die da mitten im sonnendurchfluteten Perth in einer sozial schwachen Siedlung Jagd auf die noch Schwächeren machen: auf minderjährige Mädchen, die sie zur Befriedigung ihrer krankhaften Gelüste missbrauchen.

Im Zentrum der Handlung steht aber eine Figur, welche die Aufmerksamkeit des Publikums im Handstreich gewinnt – nicht nur durch ihre realistische Zeichnung als rebellische Jugendliche, die ihre Mutter für die Trennung der Eltern verantwortlich macht und trotzig die von ihr aufgestellten Regeln missachtet. Tatsächlich verhält sie sich auch als Entführte sowohl glaubwürdiger als auch weniger wie ein hilflos dummes Opfer, als dies in thematisch ähnlichen Filmen meist der Fall ist.

Dabei ist ihre Glaubwürdigkeit in erster Linie dem überragenden Spiel von Ashleigh Cummings geschuldet, aber ihre Co-Protagonisten tun es ihr gleich – tatsächlich wollte ich dieses Review zunächst mit den Worten "Fuck, war der gut gespielt!" beginnen. Zusammen mit tollen stilistischen Einfällen und einer Inszenierung, die den wahren Horror geschickt erst im Kopf des Betrachters entstehen lässt, ohne dabei im Rahmen der gezeigten Handlung irgendwelche Fragen offenzulassen, wird HOUNDS OF LOVE dadurch zu einem wahnsinnig intensiven, emotional schwer belastenden Stück Film.

Bewegend, glaubwürdig, verstörend: für mich der Höhepunkt des FFF 2017. Mit einer der emotionalsten Schlussszenen seit Jahren, kongenial unterlegt mit Joy Divisions "Atmosphere". Starke 8 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

26.09.2017, 02:01



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