von Fans für Fans

Rendel

Nice try

von ArthurA
Der folgende Review enthält SPOILER!
Rentiere, Saunas, Schnee, Nordlichter und der Weihnachtsmann. Das bringt man mit Finnland in Verbindung. Ein actionreicher Superheldenfilm? Nicht wirklich. Rendel ist der erste seiner Art und als erster finnischer Superheldenfilm ist er ein Herzensprojekt des Regisseurs Jesse Haaja, der auch das Drehbuch schrieb und den titelgebenden Helden noch zu Schulzeiten erfunden hat. Das teilte der Macher in einer sympathischen Videobotschaft vor Filmbeginn mit. Es ist angesichts des etwas rauen Klimas in Finnland irgendwie auch natürlich, dass der maskierte Kämpfer für die Gerechtigkeit kein strahlender Superman ist, sondern vielmehr dem Punisher ähnelt. Für seine Gegner zeigt Rendel (Kris Gummerus) wenig Gnade und geht nicht gerade zimperlich vor (FSK18 wurde bereits erteilt). Im Visier hat er VALA, ein kriminelles Medizin-Unternehmen, das gefährlichen Impfstoff in Entwicklungsländer exportiert.

Jesse Haaja war bei dem Film offensichtlich mit viel Herz- und Filmblut bei der Sache und mit großer Liebe für seine Vorbilder. Technisch kann sich die Umsetzung der Actionsequenzen sehen lassen und wer seine Superheldengeschichten etwas brutaler mag, wird hier auf seine Kosten kommen. Abgesehen davon, dass es der erste finnische Superheld ist, ist bei Rendel jedoch wenig originell. Was die düstere Hintergrundgeschichte und das Modus Operandi seines Titelhelden angeht, schneidet der Film eine große Scheibe bei Marvels Punisher und Sam Raimis Quasi-Superheldenfilm Darkman ab. Dabei leidet der Film jedoch unter Logiklöchern, die so groß sind, dass Hulk hindurchspringen könnte. So können die Handlanger der Schurken noch weniger treffsicher schießen als die Stormtrooper bei Star Wars. Vor allem wird aber nie erklärt, wie aus einem Bürohengst, der eine Gesichtsmassage mit einem mit Nägeln bespickten Baseballschläger verpasst bekommen hat, plötzlich sofort ein effektiver Nahkampf-Experte wird. Ich bin normalerweise der letzte, der bei einem Superheldenfilm den Mangel an Logik anprangert, doch wenn deren Missachtung so offenkundig ist, fällt es schwer, darüber zu schweigen.

Spaßig bleibt es allerdings meist dennoch, insbesondere wenn ein Trupp tödlicher, eigenwilliger Söldner ins Spiel kommt, um Rendel das Handwerk zu legen, darunter auch Wyrmwood-Darstellerin Bianca Bradley. Leider ist es auch das Segment, in dem jegliche Plausibilität endgültig flöten geht. Ein Gag, der an eine gewisse Szene aus dem ersten Indiana Jones erinnert, ist dennoch klasse. Bei aller Kritik wünsche ich mir, das deutsche Kino würde sich auch mal an einen solchen Film herantrauen.
ArthurA
sah diesen Film im Residenz, Köln - Original-Review

26.09.2017, 07:02



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