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Marlina the Murderer in Four Acts

Die gar nicht so fabelhafte Welt der Marlina

von Leimbacher-Mario
"Marlina the Murderer in Four Acts" ist storytechnisch genauso simpel wie sein Titel sperrig: Marlina wird von einigen Männern bei sich zu Hause, irgendwo in der wunderhübschen indonesischen Pampa, überrascht, kocht für die Eindringlinge und soll nacheinander mit jedem der gut gelaunten Gangster schlafen. Das sieht die hübsche Dame nicht ein, vergiftet den Großteil der Dreibeiner und köpft ihren ersten Vergewaltiger. Nun macht sie sich mit dessen Kopf unterm Arm auf in die Stadt... Gerechtigkeit muss sein und gezeigt werden! Ein exotischer Neo-Western, irgendwo zwischen Peckinpah & Jarmusch, wie man ihn noch nie gesehen hat und sicher so schnell nicht mehr vergisst.

Audiovisuell verschlägt einem dieser melancholische Rachewestern immer wieder vor lauter einnehmender Schönheit den Atem. Seien es die prachtvollen und filmisch selten bis nie beleuchteten Landschaften, ein exotisch-genialer Soundtrack oder Marlina als staubtrockener Racheengel selbst - das ist Weltkino, das weit mehr als nur seinen Exotenbonus vorzuweisen hat. "Marlina" ist eine dieser Perlen, die irgendwann ein großer, cooler Hollywood-Regisseur sieht, stark beeindruckt ist und sich Notizen macht. Ein Tarantino z. B., der dann acht Kapitel in der gleichen Zeit abspult und fünf (bitter nötige), blutige Highlights mehr einbaut. "Marlina" ist jedoch cool, ohne Planung. Schön, ohne Anstrengung. Feministisch, ohne plakativ zu sein. Hier schlägt die indonesische Frau zurück. In der dortigen Gesellschaft wohl noch wesentlich wichtiger und berechtigter als hier. Einfach traumhaft schön!

Fazit: Wunderschöne Landschaften, schrullige Figuren, Feminismus pur - vor "Marlina" wird sogar Tarantino dahinschmelzen. Fantastisch!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

28.09.2017, 01:57



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