von Fans für Fans

Super Dark Times

Samurai Nightmare

von Leimbacher-Mario
Die ersten und die letzten 15 Minuten von "Super Dark Times" sind extrem stark. Dazwischen war für mich außer ein paar atmosphärischer Alptraumsequenzen wenig zu holen. Daher ist "Super Dark Times" nicht der erwartete Überhit, selbst für ein 90s-Kid. Ein starkes Drama ist er trotzdem. Die Erwartungen sollte man jedoch vielleicht etwas runterschrauben. Es geht um ein paar Jugendliche, irgendwo in Amiland, irgendwo im Wald, irgendwann in den 90ern. Drogen. Samuraischwert. Unfall. Die Kacke dampft. Bye bye unschuldige Jugend. Die Nostalgie von Bildschirmschonern und der ersten PlayStation darf allerdings bleiben.

"Super Dark Times" hatte zu Beginn der Festivalsaison mit die höchsten Erwartungen bei mir. Das Jahrzehnt meiner Kindheit. Spannende Story. "Stranger Things" für die 90er. Vorschusslorbeeren. Vergleiche mit "Donnie Darko" und "Mean Creek". Alles war angerichtet. Vielleicht scheiterte das unter die Haut gehende Jugenddrama etwas an dieser überzogenen Erwartungshaltung. Scheitern auf klasse Niveau. Die Details und das Feeling der 90er werden spitze eingefangen, können und sollten aber keinen Film tragen. Zum Glück hat "Super Dark Times" noch mehr auf dem Kasten.

Zum Beispiel seine bisher noch eher unbekannten Jugenddarsteller. Gänsehaut-Alptraumsequenzen. Einen Start und ein Finish, aus dem Filmlegenden gemacht sind. Ein cooler Soundtrack und eine wortwörtlich zum Schneiden dichte Atmosphäre. Wären da nicht in der Mitte des Films satte 30–50 Minuten, in denen wenig bis gar nichts passiert. Selten schliefen bei einem so heiß erwarteten (und guten) Film so viele Leute um mich herum im Kino ein. Das ist ärgerlich. In diesem Herzstück des Films geht es um das Aufarbeiten und Verdauen eines Traumas. Jedoch tritt diese innerliche Therapiestunde nahezu auf der Stelle und bietet weder inhaltlich noch visuell wirkliche Wecksignale. Das regt mich auf, da diese Odyssee in die Dunkelheit klar das Zeug zu einem der fünf besten Indies seines Jahrgangs gehabt hätte.

Fazit: Ganz sicher kein neuer "Donnie Darko". Geschüttelt und gerührt ist man hinten raus trotzdem. Nicht nur als '88er-Jahrgang. Wäre der Mittelteil straffer, dann wäre er exzellent. So bleiben 2/4 gute Teile, 2/4 ernüchternde Teile. Allerdings sagt man ja, dass Anfang und Ende den Unterschied machen...
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

30.09.2017, 02:44



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