von Fans für Fans

A Beautiful Day

Wuchtig, magnetisch, nihilistisch

von D.S.
Für mich das Highlight des ersten Tages, und das liegt ausschließlich an der Darstellerleistung von Joaquin Phoenix sowie insbesondere der hypnotisierenden Inszenierung – storyseitig bekommen wir hier nämlich, nüchtern betrachtet, nur die x-te Variante von EIN MANN SIEHT ROT geboten, die mit einigen unglaubwürdigen Verschwörungstheorien und geheimnisvollen Ränkespielen rund um Pädophilie & Co. gewürzt sind. Das macht aber wenig, denn die Kombination aus überragender Kameraarbeit und Schnitt, treibendem Electro-Score und brachial nihilistischer Charakterzeichnung, von Phoenix wie eine Naturgewalt umgesetzt, gerät zu einem ungemein fesselnden Erlebnis, das tatsächlich oft an DRIVE erinnert – aber ein paar extremere Härten einstreut. Lynne Ramsay ist mit YOU WERE NEVER REALLY HERE ein deutlich kraftvollerer und spannenderer Film als WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN gelungen, der erst am Ende ins Stottern gerät: Nach einer episch emotionalen Szene im Wasser ist leider plötzlich ziemlich die Luft raus und man schleppt sich etwas über die Zielgerade; zudem wird das deutlich weniger intensive Ende gewählt als jenes, welches kurz vorher angespielt wurde. Trotzdem äußerst beeindruckend; wuchtige 8 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

21.01.2018, 01:51



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