von Fans für Fans

Les affamés

Loch im Magen

von Leimbacher-Mario
"The Walking Dead" hat das Zombiegenre gleichzeitig wiederbelebt, zu seinem gefühlt 84. Frühling, und es mittlerweile auch wieder gelähmt zu Grabe getragen. Das hindert in diesem nie totzukriegenden Subgenre jedoch nicht das Sprießen kleiner Indie-Perlen rund um den Globus. "What We Become" oder "The Battery" seien hier als positive Beispiele genannt. "Les Affames" reiht sich da nahtlos ein, ist einer der besseren Beisserschocker des Jahrzehnts. Die kanadischen Vorschusslorbeeren sind durchaus gerechtfertigt. Intensiv, hart, ausweglos - diese ausgehungerten, unmenschlich schreienden und sprintenden Monster nehmen einen in Beschlag und lassen einen so schnell nicht mehr los.

Apokalypse. Rasende Zombies. Oder zumindest Infizierte. Hinterland. Eine ungleiche Gruppe Überlebender rottet sich zusammen. Eigentlich alles wie immer. Und doch packt einen dieser frankophone Beitrag mehr als der Durchschnitt. Weit mehr. Terror, Schock, Grusel, Spannung, Gore, Intensität - alles ist da. Teilweise extrem ausgeprägt. Zudem wirkt keine der Figuren eindimensional, der Soundtrack dringt tief in die Magengrube und mit Blut wird wahrlich nicht gespart. Arthouse-Zombie-Splatter. Und alles wirkt verdammt bodenständig und realistisch. Das macht jeden Biss oder Schuss nur umso schmerzhafter. Gegen Ende wird es dann richtig böse und es gibt sogar noch Schmankerl für Rätselfreunde. Außer den allgemeinen Abnutzungserscheinungen des Subgenres, wofür der Film wenig kann, gibt es also rein gar nichts zu meckern.

Fazit: intensives Zombie-Drama aus Kanada, das "28 Days Later" stolz macht und durchaus fesselt. In einer Zeit der vollkommenen Zombie-Übersättigung eine fette Auszeichnung wert.

PS: Und einen Film, der symbolisch den unnötigen Jumpscare so wunderschön wegflätzt, den muss man einfach mögen.

PPS: Inklusive der besten Arztwitze in einem Zombiefilm seit... immer.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

22.01.2018, 02:17



Weitere Informationen (externe Links):